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Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Geschichte der Wiener Juden bis 1914 [Rezension]
Date
1926-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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GESCHICHTE DER WIENER JUDEN BIS 1914. Der Schuljugend erzählt von Dr. Max Grunwald. Im Anschlüsse an die Jahrhundertfeier des Tempels der Inneren Stadt, gewidmet vom Vorstande der Israelitischen Kullusgemeinde Wien. Selbstverlag der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien 1926. Auf rund 80 Oktavseiten ist das Schicksal der Wiener Juden, ihr Leid und Freud, innerhalb eines Zeilraumes von lausend Jahren erzählt. Der Schuljugend erzählt. Das ist fürwahr nicht jedermanns Sache. Gründliche Wissenschaftlichkeit, tiefe Gelehrsamkeit und restloses Ausschöpfen der Quellen genügt da nicht. Hier heißt es, den Weg zu den Herzen der Jugend finden und dabei der reinen Wahrheit treu bleiben. Denn nichts \väre schädlicher für die Entwicklung des kritischen Sinnes unserer Schüler, als die Grenzen der Wahrheit und der Tatsachen zu überschreiten. Der Verfasser hat sich in diesem Sinne seiner Aufgabe glänzend entledigt. Diese Geschichte der Wiener Juden — es ist keine Belastung für das bekannte wissenschaftliche Prestige des Verfassers — erhebt nicht den Anspruch, ein ausgesprochen wissenschaftliches Werk zu sein. Quellen- und Literaturangaben fehlen demnach auch. Aber es ist auch kein „Geschichten"-Buch. Es ist vielmehr — man kann es zutreffend nur durch eine Umschreibung kennzeichnen — ein Buch, wie es gerade für die Altersstufe paßt, für die es geschrieben wurde. Es zeigt uns den gründlichen Beherrscher des Stoffes, vor allem aber den tiefen Menschenkenner und den Meister der Psychologie. Die „Geschichte der Wiener Juden" erzählt — wie gesagt — von all den Tatsachen, die sich auf die Wiener Judenschaft des letzten Jahrtausend beziehen. Wir sehen die ersten zwei jüdischen Gemeinden aufhauen, sich entwickeln, wirken — auch zugunsten des allgemeinen Wohlstandes — und zugrunde gehen (1421 und 1670). Nach derselben Gesetzmäßigkeit wie anderswo. Hatte nämlich eine jüdische Gemeinde einen gewissen, vor allem materiellen Aufschwung erlangt, so wurde sie — die Gründe hiefiir brauchen heule nicht mehr erst untersucht zu werden — zum Gegenstand des Angriffes der nichtjüdischen Umwelt. So mußten auch die ersten zwei jüdischen Gemeinden in Wien vernichtet werden, nicht „weil sie es verdienten", sondern — wie Börne einmal gesagt hat — „weil sie verdienten". Die Juden wurden getötet, verbrannt oder — später erst — bloß verlrieben, obwohl man sie brauchte, und daß man sie, nicht entbehren konnte, beweist die Tatsache, daß man sie immer wieder zurückrief. Und sie kamen zurück, weil — sie auf dem weilen Erdball eine neue Heimat suchten, weil sie ringen mußten, ihre abnormale Lage zu überwinden. So kamen sie zur Charybdis, wenn sie der Skylla entgehen wollten. Dennoch bemühten sich immer wieder wackere jüdische Männer, eine neue Gemeinschaft in Wien aufzubauen. Diese Oppenheimers und Werlheimers, diese Frankels und Jellineks und die ganze große Schar verdienstvoller Juden, denen die Wiener Judengeschichte so manches Ruhmesblatt verdankt, wie fein, vor allem, wie echt jüdisch sind sie gezeichnet. Ihnen genügte ihr Reichtum, ihre Stellung und privates Glück und der Glanz der fürstlichen Gunst nicht: Wenn sie groß geworden sind, so stiegen sie zu ihren Brüdern herab. Daß der Verfasser diese soziologische Kraft im Judentum und seine gemeinsehaflsbildende Ethik überall wie einen roten Faden durch seine Geschichte ziehen läßt, das ist es, was diese Geschichte der Wiener Juden wieder auf die Stufe der Wissenschaft erhebt. Wie nicht anders von einem Buche für die Jugend zu erwarten war, ist diese Ge-

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