Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Geschichte der Wiener Juden bis 1914 [Rezension]
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 717 (sequence 2)
- Language
- German
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BIBLIOGRAPHIE 717 schichte ganz unparteiisch gehalten, oder, besser gesagt, sie läßt allen Strömungen im Judentum Gerechtigkeit widerfahren. Alles, was in der Wiener Judenschaft irgendwie eine positive Einstellung zum Judentum hatte, wird vom Verfasser entsprechend gewürdigt, eine Haltung, die am besten die Einstellung des Verfassers seihst kennzeichnet. Der Ton der vorliegenden Schrift offenbart uns sein Kredo, das wohl kaum verschieden ist von der Losung Smolcnskis, die der Verfasser selbst zitiert: „Die Liebe zu unserem Volke sei Leuchte unserem Fuße, und im Namen unserer Sprache laßt uns das Panier erheben!" Das Buch hätte — der Leser möge uns zum Schlüsse diese Anmerkung nicht übelnehmen — auch bei Berücksichtigung der weitgehendsten Ersparungstendenzen doch eine bessere äußere Ausstattung erfahren sollen. Dr. II. G. Kunterbunt vom Büdiertisdh Der 40. Gründungstag des S. Fischer Verlages (Berlin) läßt uns seines langjährigen Lektors gedenken, Moritz Heiman n, der im Vorjahre zu früh verstarb. In den drei Bänden seiner gesammelten „Essay s" (S. Fischer Verlag, Berlin) birgt sich ein vollendetes Bild von dem feinsinnig zarten Charakter dieses Mannes, der sich zu einem aufrechten, lebensbejahenden Judentum bekannte. Aus dem Augenblick geboren, werden diese Aufsätze durch die Feinheit und Fülle des Gedankens bleibenden Wert behalten. * Das starke Erzähler tum Arnold Zweigs manifestiert sich meisterhaft in den sechs Erzählungen des Novellenbandes „R egen böge n" (Verlag J. N. Spaelh, Berlin C 2). Schillernd in Freude und Leid, hochgespannt über dem Alllag und doch stets auf der Erde der Wirklichkeit fußend, spannt sich der Regenbogen des Menschenschicksals in diesen Erzählungen, werlvolles Erlebnis allen gewährend, die die Macht des Schicksalhaften über dem Abenteuer der Sinne und Seelen nachzuspüren vermögen. rö&r{r.uf .v. rii,//y,/t lr«/yitc Chr. Brand, „Wiener Trödeljude" (1775) Illustrationsprobe aus Grunwald: Geschichte der Juden in Wien Einer der meistgelesensten Autoren ist heute ohne Zweifel der Engländer G a 1 sw o r t Ii y, dessen gesammelte Werke jetzt bei Paul Zsolnay, Wien-Berlin, erscheinen. Der große Erfolg war die „F o r s y t e Sag a", der Roman des englischen Mittelstandes. Für Galsworthy sind die Forsytes Typus und ihre Entwicklung die des englischen Bürgertums. Der Roman ist trotzdem keine bloße Studie einer Epoche; in einer Kette dramatisch gestalteter Vorfälle und lyrisch fein gefärbten Stimmungsbildern wird die Verwirrung versinnbildlicht, die die Schönheit im Leben dieser ganz auf Besitz eingestellten Menschen hervorruft. Auch der Romancier des deutschen Bürgertums, H e i nr i c h M a n n, hat im Verlage Paul Zsolnay sein neuestes Werk erscheinen lassen — die Novelle „L i 1 i a n e und Paul" schildert ein Erlebnis der dekadenten Sprößlinge dieses