Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Der Traumsiedler
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 701 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DER TRAUMSIEDLER 701 sie von ihm sprechen, jetzt aber erzählt sie von der Kartoffel, begeistert darüber, daß sie so segensreich wuchert, obwohl man schon befürchten mußte, daß sie unter dem Wasser verfaulen werde. Ist Beracha unruhig wegen Großväterchens, so bin ich es auch, ist sie ruhig, so bin ich auch unbesorgt. Wenn wir ruhig sind, kann uns nichts geschehen. Ein Unglück fühlt man immer voraus.. . Und jetzt, wo ich das Weib hinter mir weiß, stürze ich die dichten Reihen rechts und links, als hätte ich zeitlebens immer mit Spaten und Sense herumhantiert. Ich wende mich erst, als ich ein Gespräch vernehme. Beracha spricht mit einem alten Mann, der ein Maultier führt. Ich gehe hin. Die Frau sagt: „Dieser Mann ist Machmut aus Jeruschalaim, er möchte die Ernte kaufen. Stoffe gibt er dafür und gegerbte Felle." „Ich habe sie schon verkauft*' Beracha staunt. Das hat sie nicht gewußt. Irgendwie bot sich mir keine Gelegenheit, ihr die Sache zu erzählen, das ist der erste Nachmittag, wo wir etwas freier atmen können und nicht von Großväterchen sprechen. Machmut zieht ein Auge zusammen und sagt mit kaltem Hohn: „Dem Salomon, dem Gauner? Wenn er sich jetzt auch Soliman nennt, glaube ihm nicht, er zieht dir das letzte Hemd vom Leib.<; Der kalte Hohn macht mir Spaß. Mäkler! Ob Soliman oder Salomon bleibt sich gleich. Ich habe es ja beinahe gewußt, daß er Salomon heißt. Ich sah in ihm mein altes Ich, das sich unter fremden Völkern verstecken mochte. „Ich kann dir nicht helfen/' sagte ich dem Machmut, „ich habe die Ernte an Salomon verkauft." „Die Gerste auch?'6 — „Die nicht." — „Ich möchte sie kaufen." — „Noch nicht. Wer weiß, ob sie reifen wird." „Ob sie reifen wird", sagt er schmunzelnd und lächelt meine Frau an. „Na, schöne Frau, willst du starkes Linnen und wallendes Wolltuch?" Die Frau schaut mich an: „Die Kinder hätten es nötig." Die Kinder! Ich glaube, ich werde die Gerste an Machmut verkaufen. Ich sage zwar nichts, aber Machmut versteht es und sagt ganz leichthin: „Dieser Tage gehe ich hier vorbei, ich mache dann einen Sprung zu euch." — ,,Gut." Die Sache mit dem Reis ärgert ihn, aber er läßt es nicht sehen. „Mich kümmert es nicht, daß du die Ernte nicht mir verkauft hast, nächstes Jahr wirst du so wie so nur mit mir verhandeln. Durch