Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Der Traumsiedler
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 702 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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702 MENORÄH eigenen Schaden wirst du einsehen, daß man vor diesem Salomon auf der Hut sein muß.*4 Im Begriff zu gehen, wendet er sich abermals zu uns: „Ist dies das Tal von Tel-Chaiom?" — „Ja." „Ich bringe einen Brief aus der Stadt. Ein alter Mann und ein Knabe../* „Für Großväterchen!4' rufe ich mit Beracha zugleich. Er zieht ein ölbeflecktes Zettelchen aus der Tasche, wir greifen beide danach. Von wem? Von Ghananje, Wir lassen die Saat stehen ... Machmut reitet davon... wir laufen nach dem Haus. „Er wird sich freuen!" keucht Beracha. „Sein Sohn kommt", sage ich. „Hast du es gelesen?lL — „Nein. Ich denke es mir nur.u — „Lies es." — „Nein, nein!" — „Lies es nur." Wir beugen uns über die tanzenden, rostigen Buchstaben... mit verdünnter Tinte geschrieben... und lesen sie. „Es war klug, lieber Vater, fortzugehen, hier hat man nichts zu essen. Ich weiß, daß man dich gut behandelt und daß ihr euch in der guten Luft erholt, du und Melech. Soll ich auch gehen?" Die Traurigkeit beschleicht mich. Beracha weint und lacht. „Vielleicht wird er gar gesund, wenn er das liest." Und wie ein Kind stürzt sie ins Haus. „Großväterchen, Großväterchen, ein Brief von deinem Sohn!" In der Türe bleibt sie stehen, zieht sich zurück, es wird ihr bang. „Schau nur, Jischaj, er will schreien... So seltsam schaut er uns wieder an." Wieder...? Nicht wieder. Jetzt ist kein Eiter in seinen Augenwinkeln. Zum erstenmal schaut uns Großväterchen so seltsam an. Will er schreien? Ich trete zu ihm, schließe seine Augen, seinen offenen Mund. Jetzt schaut er nicht mehr so seltsam drein. Jetzt will er nicht mehr schreien. Er ist so sanft. Beracha schluchzt auf. „Komm, Jischaj, laß uns sehen, ob der Nußbaum hinter dem Haus gedeiht. Großväterchen wollte dort liegen." Ich sehe meine Kinder, wie sie auf dem Dache erwägen, wo das Theater, wo der Park, wo der Bahnhof und wo der Flugplatz sein wird ... unter seinem Nußbaum beginnt der Friedhof. Und jemand sagt mit den Augen: „Nicht die Kinder und nicht wir, Großväterchen beginnt die Stadt zu bauen." (Hier endet das Tagebuch des Traumsiedlers.)