Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. Seite 697

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Der Traumsiedler
Date
1926-12-01
Page
Seite 697 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912853-2912865-2918673--04108-2918782
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DER TRAUMSIEDLER 697 „Iljitschka", rufe ich, „Iljitsehkal" Er ist es. Sein Gesicht ist noch magerer als früher. Aber er ist froh. Sein Esel ist weiß, als wäre er frisch gebadet, die zwei anderen sind grau. „Na, Jischaj, ich sehe, dein Reis ist schön herangereift. Und du bist auch wieder rot geworden." „Ich schon, aber Großväterchen... Ich möchte dich bitten.64 Er winkt. Er weiß es schon. Beracha rief ihn ins Haus. Er nickt langsam mit dem Kopf. Ich kenne dieses Nicken des Arztes; es erschreckt mich. „Alles umsonst!" rufe ich. „Alles", sagt Iljitschka; aber seine Stimme ist nicht traurig. Ihm ist es natürlich. Ich muß mich setzen, denn meine Glieder sind bleischwer geworden. Iljitschka schaut nach vorwärts und wendet sich den zwei Arabern zu: „Jetzt geht zurück, ihr habt mich weit genug begleitet." „Nein", sagt Abu Abdullah, und seine Stimme bebt vor Ehrfurcht — „wir gehen weiter mit dir. Bis zu deinem Hause." Abd-ur Rahman verbeugt sich auch und läßt seinen ernsten Blick schräg zu mir herüberblitzen. Iljitschka kann sich des Lachens nicht erwehren. Er wendet sich zu mir: „Sie nennen mich El-MadschuzL Das war ein berühmter Wundarzt vor etlichen hundert Jahren." Zu den Arabern: „Wenn ihr nichts besseres zu tun habt..." Die Araber berühren ihre Stirn mit der Hand. Ich bin etwas besser gelaunt, seitdem sie fort sind. Die zeremoniellen Bewegungen der zwei Araber sind drollig, ich muß lachen, so oft sie mir einfallen. Ich fahre fort in der Arbeit. Das ganze tut mir wohl. Ich fühle, daß Iljitschka alles geordnet hat, daß er uns für den geheilten Abdullah Ruhe heimbrachte. Jetzt haben wir den Frieden in Tel-Chalom. Den Frieden? Ich kann es nicht glauben, so beglückend der Gedanke auch ist. Ich war zu lang im Leben verfangen, um die Dinge und ihren Sinn nicht zu sehen ... Frieden? Den erlangt man nie, nur hie und da ruhen die Leidenschaften und die Waffen. Gibt es keinen Araber, so gibt es Schlangen, gibt es keine Schlangen, so gibt es eine Überschwemmung, verzieht sich auch diese, so kommt das Gelbfieber und bezwingen wir die Seuche, so taucht der erdenfarbene Zwerg in unseren Träumen auf.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.