Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Bilder aus dem jüdischen Vereinsleben in alter und neuerer Zeit
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 685 (sequence 7)
- Language
- German
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BILDER AUS DEM JÜDISCHEN VEREINSLEBEN 685 teidigungsschrift gegen die Verketzerer des Hamburger Tempels Zeugnis ablegt. Derselbe Geist waltete in der 1792 von Mendelssohns Söhnen in Berlin gegründeten „Gesellschaft der Freund e". Ihre Devise war der Ausspruch Mendelssohns: ,,Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun", ihr Vereinssymbol ein Bündel Stäbe. Ein inoffizielles Vereinsorgan gab diesem Verein David F r ä nk e 1, Leiter der jüdischen Schule zu Dessau, in seiner 1806 gegründeten „Zeitschrift für Beförderung der Kultur und Humanität unter der jüdischen Nation". Die bittere Schale der jüdischen Religion sollte, wie im Gleichnis des talmudischen Rabbi Meir gesagt wurde, von ihrem schmackhaften Kern entfernt werden. In dem Namen „Sulamit" sollte die Harmonie angedeutet sein, welche Aufklärung und Bildung im Bunde mit geläuterter Frömmigkeit gewähren. „Zerrüttung war in Israel, nun erhebt sich der Freimut wieder", ruft darin Fränkel mit der biblischen Deborah aus. Diese Tendenz wird auch durch eine von Arndt entworfene hübsche Titelvignette ausgedrückt. Auf einer Burgzinne eine Frauengestalt mit dem Banner des Friedens, das sie einer anstürmenden Schar von Reisigen entgegenhält. Dem Verein wie dem Blatte fehlte der positive Einschlag, die glutvolle Begeisterung für Israels Eigenart. So wird begreiflich, daß die Gründer des Vereines sich meistens durch die Taufe von ihren Brüdern trennten. 1819 trat der jüdische Kulturverein, oder genauer, der Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden zu Berlin ins Leben. Ein geistvoller Jurist und Hegelianer, Eduard Gans, war der Präsident. Am 28. Oktober 1821 hielt er eine glänzende Rede. In einem erhaltenen Druckexemplar derselben, das ich in der Bibliothek des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes fand, las ich in einer Handschrift, deren Züge mich an die Schreibweise Heinrich Heines erinnerten, folgende Sätze: „Nachstehende Rede hat der Jude Gans, jetziger Professor der Rechte in Berlin, gehalten, ehe er nach Paris ging, um sich dort taufen zu lassen. Seine Glaubensbrüder, denen er in dieser Rede gar erbaulich und ergötzlich Treue zusichert und sie vor feigem Ausreißen und seichtem Überlaufen sinnlicher Genüsse wegen warnt und zu treuem Verharren in der Pflicht ermahnt, sollen sich darauf über ihren Präsidenten grausam gewundert haben. Diese Rede ist übrigens eine literarische Rarität, da der Verfasser weder Zeit noch Kosten und andere Mittel gespart haben soll, um die Exemplarien aus der Welt zu bringen."" Gans, der vom ungestillten Judenschmerz schwärmte, war, um