Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Bilder aus dem jüdischen Vereinsleben in alter und neuerer Zeit
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 682 (sequence 4)
- Language
- German
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682 MENORAH Neujahrsgebet auch die Opfersatzung vom Neumondstag zu erwähnen, Abstand zu nehmen. Selbst hervorragende Talmudgelehrte hatten während ihres ganzen Lebens nicht die Gelegenheit, den gesamten Talmud in allen seinen Teilen zu studieren, so daß ein Jünger einer maßgebenden Autorität bemerkt: „Hätte mein Lehrer jene Talmudstelle im Original gelesen, seine Entscheidung hätte anders gelautet." Man wird so ermessen, welche Förderung der jüdischen Wissenschaft aus diesem Brauche, für Bücherabschriften zu sorgen, erwuchs. In eine ganz andere Welt führt uns der Verein Sukkath Schalom: Friedenshütte. In Safet ist's, in Palästina, im Jahr 1560. Isak L u r j a, in Deutschland gebürtig, hat sich früh den Einflüssen der Mystik ergeben. In jahrelanger Einsamkeit hatte er über die kabbalistische Gedankenwelt des Sohar nachgesonnen und in ekstatischer Schau war ihm das große Geheimnis aufgeleuchtet, daß er der Vorbote des Messias sei, von Gott berufen zur Predigt der Buße an alles Volk. In dem Bruderbunde, den er bald um sich geschlossen hatte, sollte die Umkehr zu Gott, die die Welt erlöst, angebahnt werden. Das Gebet sollte nicht mehr Lippendienst, sondern Herzensumgang mit Gott, die Betätigung der Satzungen nicht mehr äußerliche Werkheiligkeit, sondern zu einem Rapport der Seele mit ihrem göttlichen Ursprung werden. Die sündliche Beimischung, Klippa, sollte allgemach aus dem Gemüt ausgeschieden werden, auf daß die Seele immer mehr befähigt sei zur bräutlichen Vereinigung mit ihrem himmlischen Gemahl. Ein eigentümlicher seelischer Einfluß sollte von den jüdischen Frommen ausgehen, um so die Seelen der Nichtjuden mit Gottessehnsucht zu erfüllen. Darum sei Israel von Gott unter die Völker zerstreut worden Nun sei die Zeit der Erlösung nahe. Lurjas Schüler, Chajim Vital, Galabrese, weiß in diesem kabbalistischen Verein die Messiassehnsucht zur lodernden Glut zu entflammen und schon zeigen sich viele geneigt, in Isak Lurja den verheißenen Davidsproß zu verehren; da rafft ihn eine Seuche in der Blüte seiner Jahre dahin. Doch die einmal geweckte Hoffnung erstarb nicht. Am 9. Ab 1626 wurde zu Smyrna Sabbatai Zwi geboren. „Am Tage, da einst das Heiligtum in Trümmer sank, wird dem jüdischen Volk der Erlöser geschenkt werden", lautete eine alte Verheißung. Der im Zauber der Jugend und Schönheit strahlende Sabbatai, begnadet mit hinreißender Redegewalt, war durch kabbalistische Träume dazu gekommen, an seine eigene Messianität zu glauben und er war ganz die Persönlichkeit, für diese Überzeugung zu werben. Bald scharte sich um ihn ein treuer Kreis von Anhängern und seine Sendboten fanden