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Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. Seite 681

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Bilder aus dem jüdischen Vereinsleben in alter und neuerer Zeit
Date
1926-12-01
Page
Seite 681 (sequence 3)
Language
German
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BILDER AUS DEM JÜDISCHEN VEREINSLEBEN 681 liebe nicht weniger treu. Bereits im ersten Jahrhundert muß es j ü d ische Frauenvereine, Chebroth Naschim, gegeben haben, welche Krankenpflege, Totenwaschung und Totenwacht übten. Man hat einen alten Grabstein aus Roms Katakomben entziffert, auf dem die Worte „Sara mater synagogae" zu lesen sind. Aus derselben Zeit, vielleicht auch erst aus dem 2. Jahrhundert, stammt das Bruchstück einer Festrede, die wahrscheinlich am Weihetage des Frauen Vereines von einem Rabbi gehalten wurde. Dieser Prediger erlaubt sich den kühnen Anachronismus, schon in die graue Vorzeit, da Israel unter der Fron Ägyptens seufzte, das Liebes wirken solcher Vereinigungen zu setzen und preist die Tugend der Ahnfrauen mit den Worten: bischut naschim zidkanijot nigalu abothenu mimizrajim, „durch die Liebestaten edler Frauen wurden unsere Vorfahren einst aus Ägypten erlöst". Die jüdischen Frauen ermöglichten es, daß die Tugend der Gastfreundschaft in schönster Weise geübt wurde. Es gab aber auch Vereine, welche für Speisung und Beherbergung von Wanderern sorgten. Nicht selten wurde neben der Synagoge ein Zimmer bereitgehalten, in dem Fremde beköstigt wurden. Es mag so ein Synagogenbrauch entstanden sein, der noch heute geübt wird: der Kiddusch — der Sabbat- oder Festsegen über einen Kelch Weines. Nach der talmudischen Vorschrift ist dieser Sabbat- oder Festgruß die Einleitung des Mahles und hat daher nur an der Tafel seine Stelle. Wahrscheinlich hat der Vorbeter sich zu dem Gemache, in dem die Fremden verköstigt wrurden, bei dem Kiddusch gewandt und gleichsam im Namen der gastfreien Gemeinde die Mahlzeit für die Wanderer eröffnet. Ganz teilnahmslos standen auch die Frauen dem Studium der Thora nicht gegenüber. Gründeten sie auch nicht wie die Männer zur Verbreitung und Vertiefung jüdischen Wissens Vereine, so unterstützten sie die Gelehrten in freigebigster Weise. In manchen Gemeinden bestand die Einrichtung, daß jedes Mädchen nach Maßgabe ihrer Mitgift Bücher, meistens Talmudexemplare, abschreiben lassen mußte. Diese wurden dann frommen Lehrern oder Jüngern geschenkt. Bücher repräsentierten vor der Erfindung der Buchdruckerkunst einen hohen Wert. Kostete im 12. Jahrhundert — das Geld spielte damals frei« lieh überhaupt eine andere Rolle als heute — ein Haus 6 bis 8 Mark, betrug die Jahresmiete für eine Wohnung eine halbe Mark, so belief sich der Preis eines Pentateuch ohne Vokalzeichen auf eine Mark. Daher hatten nicht alle Beter einen Siddur; viele beteten auswendig. In Rücksicht auf diese rät ein Gesetzlehrer von der Einführung, im

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