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Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. Seite 680

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Bilder aus dem jüdischen Vereinsleben in alter und neuerer Zeit
Date
1926-12-01
Page
Seite 680 (sequence 2)
Language
German
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680 MENORAH sie nachstrebten. Zähe Zuendedenker und moralische Radikale, wollten sie den Menschen aus den Banden der sinnlichen Triebe gänzlich befreien und an die Stelle der Ehe eine Seelenfreundschaft zwischen Mann und Weib treten lassen. Wie diese Forderung an die Kreutzersonate des russischen Moralapostels Leo Tolstoi erinnert, so lesen sich auch die übrigen Programmpunkte, als wären sie aus der Feder des großen Sozialreformers geflossen. Die unheilvolle Macht des Geldes sollte durch weitmöglichste Anbahnung der Gütergemeinschaft und durch Beseitigung des Handels, des „Quells der Ausbeutung und Übervorteilung" beseitigt werden. Ackerbau und Handwerk wird warm empfohlen. Menschenwürde und Adel der Arbeit sind ihnen Ergänzungsbegriffe. Jeder darf nur genießen, was er selbst erarbeitet hat. Daher wird die Lebensführung asketisch sein müssen. Sie bekämpfen die Ansprüche der Lüsternheit und des Luxus und meiden als entbehrliche Güter den Wein- und Fleischgenuß sowie die im Morgenland verbreitete Anwendung des Salböls. Diese Schwärmer von Engedi, deren Predigt in den Forschungen des Weltbekehrers von Jasnaja Poljana so ergreifend nachhallt, sehen in der Menschenliebe die Zentralsonne ihres Lebens. Sie waren die ersten Anreger einer wohlorganisierten charitaiiven Tätigkeit, sie sorgten für Wanderer und Kranke und haben wohl auch auf die Bildung jener humanen Vereine unter den Juden gewirkt, welche als „heilige Genossenschaften" die Devise vertraten: Gemiluth Chesed: Erweisung von Liebes werken. An diesen Vereinen, die wir nur charakterisieren wollen, hat sich das Wort der Weisen erfüllt: „Jeder Verband, der aus idealen Beweggründen ,leschem schamajim* entstanden ist, wird dauern." Überall, wo in der wreiten Welt eine jüdische Gemeinde sich bildete, organisierte sich die G h e w r a, deren Aufgabe war bikkur cholim und halwajat hammeth, Krankenpflege und Pietät gegen die Toten. Wie Abraham vom verheißenen Lande zunächst eine Grabeshöhle erwarb, darin er seine verstorbene Gattin bestattete, so war oft ein Friedhof in den Gemeinden der erste jüdische Grundbesitz. Die Erfüllung der Vereinspflichten galt als ein höchst gottgefälliges Werk, und ein heiliger Wetteifer erfüllte die Bundesbrüder. Für die Neugestaltung der Chewra hat der Prager Rabbiner Juda ben Bezahl, ein Zeitgenosse Kaiser Rudolfs, segensreich gewirkt. Hatten die Frauen im allgemeinen an der Thoraforschung keinen Teil, so betätigten sie die Pflichten der Wohltätigkeit und Nächsten-

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