Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Bilder aus dem jüdischen Vereinsleben in alter und neuerer Zeit
- Date
- 1926-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912865-2918669--04085-2918764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bilder aus dem jüdischen Vereinsleben in alter und neuerer Zeit in Pilgerzug steht auf dem großen Tempelhof, auf dem Moria- J_A berg, in Jerusalem. Lieder ertönen: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt, dahin man strömt aus allen Gauen." Man opfert, die Priester segnen. Es bilden sich Gruppen von Wallfahrern. Die Genossen desselben Dorfes und derselben Stadt haben sich zu einem Opferverein zusammengeschlossen. Leise Spuren in den Psalmen deuten auf solche Vereinigungen hin. Doch keinerlei bestimmte Angaben sind vorhanden, die uns eine nähere Beschreibung ihrer Bestimmungen und Einrichtungen ermöglichten. Erst aus späterer Zeit, aus dem letzten Jahrhundert jüdischen Staatslebens auf dem Boden Palästinas berichten die Quellen über Opfervereine unter dem Titel Gheber Ir; diese Genossenschaften ließen sich durch Delegierte bei den Opferhandlungen im Tempel zu Jerusalem vertreten und verrichteten zu den bestimmten Zeiten, an denen die Priester die täglichen Opfer darbrachten, ihre synagogale Andacht. Viele der Vereinsbrüder haben auch wohl dem größeren Chaberimbund sich angeschlossen, welche die Reinheitsgesetze, die ursprünglich nur für die Priester galten, auch im täglichen Leben beobachteten und ihre gewöhnlichen Speisen nur unter sorgfältiger Berücksichtigung der Reinheitsvorschriften genossen — ochein chullin betahara. Vielleicht wirken hier schon essäische Einflüsse. Wer waren die E s s ä e r, von deren Vereinsgründungen uns Philo, Josephus und der Talmud berichten? Diese Epigonen der Prophetenanhänger haben — etwa im 2. vorchristlichen Jahrhundert — in der Oase Engedi den Bund der Sanften und Stillen, der Sehenden und Sinnenden gegründet, als sie unter dem Firnis der eindringenden hellenischen Gesittung die sittliche Fäulnis sahen und den kühnen Entschluß faßten, an einer Umgestaltung der Lebens- und Gesellschaftsordnung nach ihrem sittlichen Ideal zu arbeiten. Mächtig durchdrang sie die alte Sinai-Losung: „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heilig Volk/6 In weißen Linnengewändern ihrer Vereinstracht, versinnbildlichten sie diesen Gedanken des allgemeinen Priestertums, und in dem täglichen Quellbad bei Sonnenaufgang sahen sie ein Gleichnis der sittlichen Läuterung, der Von Dr. M. Beermann