Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Chanukahspiele der Jugend
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 673 (sequence 3)
- Language
- German
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CHANUKAHSPIELE DER JUGEND 673 spiele bekannt sind. Es sind dies: Chanukah-Kattowes, Kwittlech und Dreidel. Das Chanukah-Kattowes war schon im Mittelalter unter den deutschen Juden als Chanukah-Zeitvertreib der in ihren Studien schon fortgeschrittenen Talmudjünger bekannt und ist auch noch heute unter den ostjüdischen Talmudjüngern verbreitet. Es setzt eine gewisse Beschlagenheit und Gewandtheit in Bibel und Talmud voraus und wird nur von Schülern der höheren Jahrgänge betrieben. Das Kattowes ist in seinem Wesen eine Art Rätselspiel, bei dem durch Umstellen, Versetzen oder Weglassen von Wörtern oder Buchstaben eines vom Fragesteller bestimmten Bibel- oder Talmudsatzes ein Rätsel entsteht. Durch kombinierte Addition oder Subtraktion des Zahlenwertes der betreffenden Worte oder Buchstaben soll der Sinn der Frage, beziehungsweise die Lösung des Rätsels gefunden werden. In den meisten Kattowesrätseln soll die in dem aufgegebenen Satze angedeutete Chanukah - zahl 44 (das ist die Summe der 36 an allen 8 Abenden angezündeten Chanukahlichter + den 8 Schamassim, 36 + 8 44) gefunden wer den. Der berühmte R. Israel Isserlein (Verfasser des Tramat Hadeschen, wirkte im 15. Jahrhundert in Wiener-Neustadt) pflegte am Chanukah sich mit seinen Schülern beim Kattowesspiel zu unterhalten. Lehrer und Schüler gaben sich gegenseitig Kattowesrätsel auf und suchten sie zu lösen. Eines der Kattowes, die Isserlein seinen Schülern aufgab, sei hier mitgeteilt: Ein talmudischer Satz (s. Tr. Gittin Anf. u. 5 B) beginnt mit den Worten: „Hamebi get mimdinat hajam", das heißt, wenn jemand einen Scheidebrief von Übersee bringt; Isserlein ergänzt nun aus eigenem den Satz mit den Worten: ,,zarich echad lezaref elaw kedei schejhei mekujam", das heißt, muß er einen hinzufügen, damit er gültig sei. Die Erklärung dieses Kattowes liegt im Zahlen wert der Worte „get" und ,,hajam", wie auch in der entsprechenden Deutung des Wortes „Hamebi". Die Lösung lautet folgendermaßen: Wenn jemand bringt (seil, in Abzug) den Buchstaben wert des Wortes „get6', das ist g-ft — 3 + 9=12, von dem des Wortes „hajam", das ist h + j + m 5 + 10 + 40 55, dann bleiben 55 — 12 43; es muß hierauf die Zahl 1 hinzuaddiert werden, damit man die obligate Lichterzahl der Chanukahabende, das ist also 43 + 1 44 erhalte. (Leket Joscher, Orach Chaim, S. 153, Berlin 1904.) Wie schon erwähnt, ist das Chanukahkattowes unter der frommen, lernenden Jugend des Ostens, das ist Rußlands und Polens, heimisch. Ein solches polnisches Kattowes lautet zum Beispiel: Was besagt am Chanukah der Psalmen-