Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Chanukahspiele der Jugend
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 672 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912865-2918666--04073-2918757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
672 MENORAH eine frohe und warme Stimmung in das sonst von trüber, ernster Sorge erfüllte jüdische Haus ein. Besonders die Jugend ist es, die die frohen Erinnerungstage an die siegreiche Befreiung des jüdischen Volkes von Tyrannei und Unterdrückung, wie auch das Wunder vom Ülkrüglein genießt. Abgesehen von der schon erwähnten Befreiung vom Schulbesuch und dem lustigen Einsammeln von Geldgeschenken, dem sogenannten „Chanukahgeld" bei Eltern und Verwandten, werden den Kindern die Chanukahspiele weder vom Lehrer noch von den Eltern verwehrt Im Gegenteil. Würde man sonst einen Zeitvertreib mit Spielen als sündhaftes Unterlassen des Thorastudiums (bittul talmud torah) verpönen, so wird das muntere Chanukahspiel der Jugend nicht nur toleriert, sondern unter Umständen sogar gern gesehen. Selbst der fleißige, lernbeflissene Jünger, der auch am Chanukah das „Lernen" nicht ganz unterlassen will und einige Stunden des Tages dem zeitgemäßen Studium der Chanukahnormen (hilchot chanukah) widmet, will auf ein munteres Spielchen mit Freunden und Kollegen in diesen Tagen nicht verzichten. Im Orient pflegte die temperamentvolle Jugend beiderlei Geschlechtes, nach Purimart verkleidet, am Chanukah tanzend und singend durch die Straßen zu ziehen. Dieser Brauch rief jedoch den schärfsten Protest und Tadel von seiten der Frommen hervor, die darin eine Verletzung der Keuschheit und guten Sitte erblickten. (Chemdat Hajamim, II, Bl. 67, Livorno 1762.) Im kalten Europa hingegen blieben die Ghanukahfreuden unter dem Einflüsse der Art und des Charakters der Juden Europas, besonders in Deutschland und den slawischen Ländern, und nicht minder mit Rücksicht auf die klimatischen und äußeren Verhältnisse, auf das Innere des Hauses beschränkt. Das Chanukahfest findet nämlich in der zweiten Dezemberhälfte statt, in der in den europäischen Ländern strenger Winter herrscht, und fällt somit auch mit der christlichen Weihnachtszeit zusammen, während welcher im Mittelalter und auch später ein Jude sich nur unter Lebensgefahr auf der Straße zeigen durfte. Die Jugend wurde also auf der Straße nur dann gesehen, wenn sie sich ins Bethaus begab oder die Großeltern und Verwandten besuchen ging, um das übliche Chanukahgeld abzuholen; sonst verbrachte sie und verbringt sie noch heute die Chanukahzeit zu Hause, im Beth-hamidrasch oder in der Klaus (chassidische Gebetstube, in Kongreßpolen auch als „Stübl" bezeichnet). Drei Spiele sind es vorzüglich, bei denen sich die Jugend, je nach Alter und Bildungsstufe, unterhält und die mit Rücksicht auf ihren Charakter und die Zeit, in denen sie betrieben werden, als Chanukah-