Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Chanukahspiele der Jugend
- Date
- 1926-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M ENORAH IV. JAHRGANG DEZEMBER 1926 NUMMER 12 CHANUKAHSPIELE DER JUGEND Von Dr. Samuel Rappaport Die Zeit des frommen, jungen Juden gehört ausschließlich dem Studium der Thora und der Gebote Gottes. Den ganzen Werktag verbringt er in der Lehrstube desCheder, beziehungsweise der Jeschiwah. Für Spaziergang im Freien oder geselliges Spiel hat er gar keine oder nur sehr wenig Zeit übrig. Die lernfreien Tage, Sabbate und sonstigen Feiertage, verlebt er im Kreise der Eltern zu Hause oder in der Synagoge. Im übrigen verbietet sich ein Spiel, mit dem zumeist eine an diesen Tagen verbotene werktägige Handlung (melachah) verbunden ist, hier ohnedies von selbst. Nur in der ersten Chederzeit, etwa im vierten bis sechsten Lebensjahre, erfreut sich das Kind mitunter an lernfreien Werktagen, wie Rosch-Chodesch (Neumond) und Purim, an Kinderspielen, zum Beispiel dem Pferdespiel, bei dem sich ein Junge von einem anderen als Pferd anspannen und mit der Peitsche antreiben läßt, oder dem „Söldnerspiel" — besonders am Lag Baomer — wo die Knaben einen Krieg zwischen zwei feindlichen Heeren aufführen, oder an dem primitiven, auf einem Tisch mit Kreide ausgeführten Kombinationszahlenspiel „Yks, Myks, Dryks" und dergleichen. Kaum aber hat der Junge das sechste Lebensjahr überschritten und beginnt das ernste Bibel- und daran sich anschließende Talmudstudium, dann ist es mit der müßigen Spielzeit zu Ende. Jetzt heißt es Thora lernen und keinen Augenblick ungenützt lassen. Versucht es ein schon Talmud lernender Knabe, mit Freunden zu Hause oder im Freien zu spielen, so wird er vom Lehrer und den Eltern arg gescholten, weil es sich für einen angehenden „Ghussen bucher" (Bräutigam) nicht schicke, wie ein kleines Kind zu spielen. Anders am Chanukah. Hier dauert die vom Lernen freie Zeit — den Sabbat abgerechnet — volle, durch keinerlei Verbot einer werktägigen Handlung beschränkte, sieben Tage, denn nach althergebrachtem Brauch ruht in der Schule der Unterricht während des ganzen Chanukahfestes. Mit dem Aufleuchten des Ghanukahlichtes, aus dem, wie die Kabbalah meint, ein Abglanz des einst von Gott für die Zeit des Messias bewahrten Lichtes (or haganus) erstrahlt, zieht