Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. Seite 667

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Salomon Ehrmann
Date
1926-12-01
Page
Seite 667 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912853-2912865-2918663--04064-2918752
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

S A L O MON EHR MA X X ßß7 er von der Kunsl ausgegangen — er wollte sich zuerst der Kunstgeschichte widmen, war mit einein schönen Zeichen- und Maltalent ausgestattet und hatte ein feines Kunstempfinden und sicheres Kunsfurteü — kam ihm zustatten, als er, durch die Verhältnisse genötigt, zur Medizin überging. Als er seine Studien durch Erlangung des Doktorats abgeschlossen hatte, war er vier Jahre lang Demonstralor, Zeichner, Mikroskopist beim großen Physiologen Ernst v. B r ü c k e, und diese Schulung war die Grundlage für sein späteres Wirken; er kam dann auf die Kliniken des Augenarztes Jäger und der Dermatologen Kaposi und Neu m a n n. Hier hat er seine Lebensaufgabe gefunden. Er war geschätzt als Diagnostiker und Beobachter und als Schöpfer auf dem Gebiete der Therapie. Die Krankheitsbilder hielt er in Aquarellen fest, sein großer diagnostischer Atlas der Geschlechts- und Hautkrankheiten steht künstlerisch und wissenschaftlich auf gleicher Höhe. War auch E h r m a n n hervorragend als Spczialarzt, so ging er doch nicht auf in seinem besonderen Gebiet. Seine gründliche naturwissenschaftliche Bildung und sein allseitiges medizinisches Wissen gaben ihm das besondere Gepräge und begründeten seine Erfolge als Arzt. Scharfsinn, tiefe Einsicht und reiche Erfahrung ließen ihn auch in verzweifelten Fällen Mittel und Wege zur Heilung finden. In hohem Maße eigneten ihm, was ihn zum guten Arzt machte, Milde und Güte und stete Hilfsbereitschaft, denn Salomon E h rm a n n war ein guter Mensch. So hoch man ihn aber auch als Arzt und medizinischen Forscher und Lehrer einschätzen mag, sein Wesen und seine Bedeutung werden damit nicht erschöpft. Denn Ehr mann war in seinen geistigen Interessen und in seinen menschlichen Bestrebungen frei von jeder Einseitigkeit. Vor allem machten seine hohe Bildung, sein umfassendes Wissen, sein philosophisch geschultes Denken und sein feiner Witz die Unterhaltung mit ihm zum Genuß, sie würzten auch seine Reden, die dadurch an innerem Gehalt und deshalb auch, obwohl ihm die äußeren Mittel zum packenden Redner fehlten, an eindrucksvoller Wirkung gewannen. Man darf es wohl sagen, E h r m a n n war nie banal, auch die einfachsten seiner Reden nahmen von einem G e d a n k e n ihren Ausgang, meist aus der Fülle seiner naturwissenschaftlichen, literarischen oder geschichtlichen Kenntnisse. Denn er war ein sehr belesener Mann, ausgestattet mit einem seltenen Gedächtnis, so daß er über ein präsentes Wissen auf mannigfachen Gebieten verfügte. Daß er die Geschichte und Entwicklung seines engeren Faches sowohl wie der gesamten Medizin, im besonderen der jüdischen Ärzte, beherrschte, konnte nicht wundernehmen, bemerkenswerter ist es, daß er gründliche Kenntnisse auf dem weilen Felde der Geschichte, der er vornehmlich rege Teilnahme entgegenbrachte, und der Literaturen besaß. Wie er in seinem Antwortschreiben auf den Glückwunsch des ,,Vereines der Freunde des humanistischen Gymnasiums", dem er in Würdigung seiner Ziele seit seiner Begründung angehörte, zum 70. Geburtstage bekannte, hat er „es immer als eine Erholung und Erfrischung betrachtet, sich in Werke historischer und humanistischer Richtung zu vertiefen, um den oft quälenden Fragen, die den Arzt und Naturforscher beschäftigen, für kurze Zeit entrückt zu werden". Wohlbewandert namentlich in der allklassischen Literatur, konnte er nicht nur einzelne Stellen und Aussprüche der Alten anführen, sondern sogar ganze Seiten, etwa aus Cicero oder anderen Klassikern, hersagen. Er war aber auch erfüllt von jener Humanitas der Alten, deren vornehmster Teil ist, um mit dem jüngeren Plinius zu reden, zugleich von hoch und niedrig geliebt und geachtet zu werden. Das Bild wäre unvollständig und bedeutsame Züge würden fehlen, wenn nicht auch der J u d e Salomon E h r mann zu seinem Rechte käme. Und in diesen Blättern, denen er ein so schönes Geleitwort schrieb, das ihre Bestimmung, jüdisches Wissen und jüdische Kunsl zu pflegen, zur Geltung bringen sollte, kann um so weniger davon abgesehen werden. Es liegt in den Verhältnissen begründet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.