Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Salomon Ehrmann
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 666 (sequence 1)
- Language
- German
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SALOMON EHRMANN 19. Dezember 1854 - 24. Oktober 1926 Ein Gedenkblatt Von Hofr. Prof. Dr. S. Frankfurter Rasch Iriit der Tod den Menschen an. Es ist ihm keine Frist gegeben; Es stürzt ihn mitten in der Bahn, Es reißt ihn fort vom vollen Leben. Bereitet oder nicht, zu gehen, Er muß vor seinem Richter stehen! So oft uns die grausame Wahrheil dieses ergreifenden Gesanges im „Wilhelm Teil" oder des kürzeren Spruches „media in vita in morle sumus" zum Bewußtsein kommt, wenn wir gemahnt werden an die tiefe Erkenntnis der Nichtigkeit des menschlichen Lehens, die in unserem täglichen Morgengehet zum Ausdruck gebracht wird: „Was sind wir, was ist unser Leben", greift es uns ans Herz und erst allmählich ringen sieh die Gedanken kühler Erwägung durch und bringen Ruhe in unser Gemüt. So war es, als ich die völlig unerwartete Kunde vom Ableben Hofrat Professor Dr. Salomon E h rm a n n s erhielt. Wenige Tage vorher hatte er in voller Frische und in besonders froher Stimmung unter meinem Vorsilz an einer Sitzung und dem anschließenden Abendessen teilgenommen und auf meine Einladung auch gesprochen, am folgenden Tage ohne die geringste Ermüdung einer dreistündigen Sitzung der Dermatologischen Gesellschaft beigewohnt und in die Erörterungen mehrfach in längeren temperamentvollen Reden eingegriffen; am nächsten Tage erschien er in der Gesellschaft der Arzte. Sein letzter Ausgang galt seiner wissenschaftlichen Arbeit und einem Besuch, den er dem in Wien weilenden Großpräsidenten der Deutschen Großloge, Rabbiner Dr. Baeck, machen wollte. Er fühlte sich unterwegs nicht wohl und kehrte nach Hause zurück. Die berufenen Arzte fanden keine bedrohlichen Symptome, aber 24 Stunden später trat plötzlich Herzschwäche ein und Salomon E h rmann entschlief ahnungslos und sanft, der Tod hatte für ihn keinen Stachel. Als ich bald darauf, nach Empfang der Trauerkunde, erschüttert an dem Bette stand, in dem der Entseelte, einem ruhig Schlafenden gleich, mit unveränderten Zügen, nur „seine Farbe war entwichen", lag, da kam mir trotz des Schmerzes über den Verlust, der tröstende Gedanke, daß das Schicksal es mit ihm bis zuletzt gut gemeint habe und daß er glücklich zu preisen sei. Ein gütiges Geschick verlieh ihm das Glück im Hause, Ansehen und Geltung als Jude und als Mensch, als Arzt und als Forscher, Arbeitsfrische und -freudigkeit bis zuletzt ohne Erlahmung und Ermattung und, als es zu Ende gehen mußte, die von den Griechen, die er gekannt und geschätzt, als höchstes Gut gepriesene Euthannsia, den raschen schmerzlosen Tod. Wenn ich dem Manne, den ich seit seinem Eintritt in die akademische Laufbahn kannte, dem ich im Laufe der Jahre immer nähertreten konnte, mit dem mich so manche gemeinsame Tätigkeit verbunden hat und der mir ein warm fühlender Freund geworden ist, dem Wunsche des Herausgebers entsprechend, hier Worte des Gedenkens widmen soll, so muß ich wohl von einer mir nicht zukommenden Würdigung des Arztes und Forschers auf dem Felde der Medizin und auf seinem engeren Fachgebiete absehen. Es darf genügen, daran zu erinnern, daß Salomon Eh r m a n n von zuständigster Seile zu den hervorragendsten Vertretern seines Faches gezählt und als Lehrer und Arzt gerühmt wurde, dessen wissenschaftliche Bedeutung ihm nicht nur einen Ehrenplatz in der Geschichte der Wiener Schule, sondern auch einen internationalen Ruf gesichert hat. Daß