Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 11 (November 1926)
- Article
- Eine jüdische Hochzeit in Marokko
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 649 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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EINE JÜDISCHE HOCHZEIT IN MAROKKO 649 TUNIS: JUDENFRAUEN Aus: „Nordairika" Sammlung- Orbis Tcrrarum, Verlag Fernst W'asmuth A. G. Berlin wur, kennt diesen Tanz, von dem ich glaube, daß man ihn bei uns, wenigstens in der sogenannten guten Gesellschaft, sehr abgeschmackt finden würde. Da er fast nur aus Siellungen und Verrenkungen besieht, bei denen die Füße den Platz fast nicht wechseln, wird man begreifen, wie dieser Tanz auf einem Platz möglich isl, der so von neugierigen Menschen erfüllt ist, wie es der beschriebene Hof war. Es braucht also jede der immer nur einzeln auftretenden Tänzerinnen nur einen ganz kleinen Raum. Hat nun eine die Vorstellung, die von ihr nach Geschmack und Kunstfertigkeit variiert wird, beendet, dann suchen die Anwesenden, welche ihr Interesse bezeugen wollen, in fhren Taschen nach einem Geldstück, das bestimmt ist, die Musiker zu entlohnen. Dabei ist es üblich, ehe man seine Gabe auf einen dafür vorbereiteten Teller legt, mit dem Geldstück die Schulter der Tänzerin, welche man vorzieht, zu berühren. Ich sah vornehme Gäste ostentativ Goldstücke geben, zweifellos, damit die anwesenden -Christen es bemerken. Am Ende des letzten Tages, den die Braut unter dem Dach ihrer Eltern verbringen soll, bevor sie in die Wohnung des Gatten zieht, bekleidet man sie; auf den Kopf setzt man ihr eine Art Mitra, die aus einer Menge Tüchern so zusammengesetzt ist, daß man von jedem nur einen ganz kleinen Teil sieht. Sie wird an den Tisch gesetzt und an die Mauer gelehnt, wo sie unbeweglich wie eine ägyptische Statue verharrt. Vor das Gesicht hält man ihr Kerzen und Fackeln, daß alle Anwesenden sich nach Relieben an der Bekleidungsfeierlichkeit erfreuen können. Ihr zur Seite machen alte Frauen ununterbrochen Lärm, indem sie mit ihren Fingern auf kleine Trommeln schlagen, die durch Bespannung verschiedenfarbiger irdener Töpfe mit Pergament gemacht werden. Andere Alte bemalen ihre Stirne und Wangen mit Zinnober oder