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Menorah · 1926-11-01 · Heft 11 (November 1926) · p. Seite 650

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 11 (November 1926)
Article
Eine jüdische Hochzeit in Marokko
Date
1926-11-01
Page
Seite 650 (sequence 3)
Language
German
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650 MENORAH Henna und schwärzen die Augenwimpern mit Kohle, Die Unglückselige, welche all dem ausgesetzt ist, darf — es ist kaum zu glauben. — die Augen während des ganzen Vorganges nicht öffnen, da dies als schlechtes Zeichen gedeutet werden würde. Zwischen die geschlossenen Wimpern wird ihr der silberne Spachtel getrieben, der zur Einfärbung notwendig ist, und sie, das arme Opfer, muß sich geduldig der Neugierde des lärmenden Gaslvolkes opfern. Am Ende einer Anzahl von Handlungen, die mit der Bekleidung zusammenhängen, wird sie aufgehoben wie eine Statue, und das nun ist der Augenblick, in dem sie aus dem Elternhaus geschleppt wird. Halb auf ihren Füßen, halb bei den Armen gehoben, gellt sie, von den Gästen gefolgt, voran. Vor ihr gehen, rückwärts schreitend, bis zur Wohnung des Gatten, fackeltragende Jünglinge. Man findet hier, wie bei jedem Schritt in diesem Land, alte Überlieferungen. Nichts ist seltsamer als der Marsch dieser Unglücklichen, welche, die Augen geschlossen, keine einzige Bewegung zu machen scheint, die ihrem eigenen Willen entspringt. Ihre Züge sind während dieser Prozession ebenso gefühllos wie zur Zeit der anderen Prüfungen. Man hat mir versichert, daß man, um die Frau an den unzerstörbaren Ernst des Ganzen glauben zu machen, die Bosheit so weit treibt, das arme Weib unterwegs zu kneifen. Ich glaube, daß es nur sehr selten vorkommt, daß das arme Geschöpf das geringste Zeichen von Ungeduld oder auch nur von Beachtung des sich um sie Abspielenden gibt. In solchem Aufzug kommt sie zu ihrem Gatten, wo sie es zweifellos als ihr größtes Glück betrachten muß, von soviel Unannehmlichkeiten gefreit zu sein. Am nächsten Tage findet noch bei dem Gallen eine Zeremonie statt, die mir nur religiösen Sinn zu haben scheint; dabei sind nur die Eheleute, der Rabbiner und Zeugen anwesend. Dieser Ritus beschließt alle Feierlichkeiten und dürfte deshalb den beiden wichtigsten Teilnehmern der erwünschteste sein. (Deutsch von Josef Kalmer.) DIE CHALUZAH Betrachtung über einen, neuen jüdischen Mädchentyp Von Kurt Grunwalcl Wer eine Geschichte des Judentums des 19. Jahrhunderts schreibt, darf kaum an einer Erscheinung vorbeigehen, die bei oberflächlicher Betrachtung wohl als nebensächlich angesehen werden könnte, die aber für die Erhaltung des Judentums in den vergangenen Jahrzehnten von weittragender Bedeutung war. Es sind dies die jüdischen Frauenvereine. Ihre Form und die Zeit ihres Erscheinens sind bedingt durch die geistige Entwicklung des Judentums und der nicht jüdischen Umwelt. Bis um die Mitte des letzten Jahrhunderts gab es nicht das Kollektivum: „Die jüdische Frau." Man sah die einzelne Frau, für die das Bild der Escheln Chajil überliefert war, es traten einzelne hervorragende Frauen in den Vordergrund, aber immer ist es nur die einzelne, die hervortritt, die mit im Bilde ihrer Zeit erscheint, nicht die Gesamtheit der Frauen als Teil des Volksganzen. Wohl war die Frau Grundlage der Familie, der Zelle des Volkes, aber für sie gab es kein Betätigungsfeld in der Öffentlichkeit. Und hier trat ein Wandel ein. In viel stärkerem Maße als der Mann wurde die jüdische Frau von der Emanzipation ergriffen, da die Spannungsweite vom kulturellen Gestern zum Heute weitaus größer war als beim Mann. Und dabei hatte die jüdische Frau an zwei Geistesströmungen teil. An der Emanzipation der Juden und der Emanzipation der Frauen. Trotz der Kürze der Zeit, in der diese Wandlung vor sich ging, verlief sie durchaus evolutionär, w7as einerseits durch die Geisteseinstellung, anderseits durch das bürgerliche Milieu des Westjuden bedingt war. Von den in individueller Bildungsarbeit erworbenen Schätzen erfüllt, wurde die Frau zur sozialen, politischen Betäligung hingedrängt. Und so entstanden die jüdischen Frauenvereine. Ihr Arbeitsbereich war auf der einen Seite gegeben durch die sozialpoli-

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