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Menorah · 1926-11-01 · Heft 11 (November 1926) · p. Seite 645

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 11 (November 1926)
Article
Das Gelübde
Date
1926-11-01
Page
Seite 645 (sequence 7)
Language
German
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DAS GELÜBDE lasse meinen Galten gesenkten Hauptes nach Hause zurückkehren, grausam gedemütigt, ohne den bescheidensten Posten, den er gesucht, erhalten zu haben... Mein Gott", schrie Rahel, das Haar raufend unter Schluchzen. „Mein Gott, erhöre mich! . . ." Spät, als die Nacht schon hereinbrach, betete Rahel noch immer. Die Leuchter, der silberne Zierrat funkelten im Dunkel des Saales. Plötzlich ging ein blitzartiges Licht von der Lampe Mosis' aus. Draußen ertönte ein Geräusch wie von Meeresbrausen ... Es war der Orkan, der sich erhob. Die Berge erkletternd, heulte der unheimliche Wind, brüllte und bog Eichenstämme . . . "Während die Fülle des Reichtums sich über ihr Haus ergoß, wo es von Dienern wimmelte, während ihre Frauen und Töchter die kostbarsten Kleider trugen, hatten die beiden Brüder so gut wie nichts an ihren Gewohnheiten geändert. Im Winter feilschten sie um ein wollenes Leibchen für sich und zur Sirokkozeit, wenn das Thermometer 40 Grad im Schatten anzeigte, um einen Krug Limonade. Zur Siestastunde, wenn vollkommene Ruhe herrschte, setzten sich Isaak und Mardochai hinter den Ladentisch, belegten ein arabisches Brot mit drei Sardinen und aßen friedlich, worauf sie abwechselnd hinausgingen, um einen Schluck frisches Wasser am Brunnen zu trinken. Dann kamen sie zurück, um mit reinen Händen ihr Gebet zu verrichten und dem Herrn für alle Güter zu danken, mit denen er sie überhäuft halte: Reichtum, schöne, tugendhafte Frauen, prächtige, von Gesundheit strahlende Töchter. Zwei Monate waren vergangen, seit Rahel im Tempel ihr Gelübde getan hatte. Eines Nachts wurde Isaak jäh aus dem Schlaf geweckt: „Feuer! Feuer!", schrie man auf der Strtiße. Einen Blick warf er noch auf seine friedlich schlummernde Gattin, sprach über sie die Worte: ,,Der Engel Gabriel behüte dich", und lief halbbekleidet davon, um sein Vermögen zu retten, das in Flammen aufging. Eine Feuersbrunst, deren Ursache für immer unaufgeklärt bleiben sollte, hatte sich der neun Läden in der Rue des Coloughlis bemächtigt. Die Flammen schlugen zu den Türen hinaus, fauchten, prasselten, schlängelten sich, fielen in Funkengarben nieder und erhellten weithin das Firmament. Die Luft in der kleinen Stadt war atembeklemmend, der Wind von unerhörter Heftigkeit. „Feuer!", schrien die Araber.

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