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Menorah · 1926-11-01 · Heft 11 (November 1926) · p. Seite 643

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 11 (November 1926)
Article
Das Gelübde
Date
1926-11-01
Page
Seite 643 (sequence 5)
Language
German
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DAS GELÜBDE 043 bei jeder Geburt einer Tochter, um die furchtbare Krise der Entmutigung zu vermeiden. Er beschenkte seine Frau mit einem Halsband oder einem Diadem aus Smaragden, schloß sie in die Arme und sagte: ,,Meine Königin, kränke dich nicht! Wenn du uns nur gesund erhalten bleibst... Sieh, die Geburt jeder unserer Töchter bringt mir neues Glück. Wir machen goldene Geschäfte... Ich habe jetzt eben einen Prozeß gewonnen, den ich schon verloren gegeben hatte... Einen Pachthof, der eine Viertelmillion wert ist, habe ich um einen Bissen Brot gekauft... Weshalb die Tränen und Klagen? Würde uns eine Knabe die Pforten des Paradieses öffnen? Würde er mehr wert sein, als die prächtigen Töchter, die uns Gott geschenkt hat?" Rahel stieß den Gatten und sein königliches Geschenk unwillig zurück und wollte nichts von Beschwichtigungen hören. Sie wandte den Kopf von der herrlichen Wiege aus rosa Atlas ab, in der das unerwünschte kleine Wesen schlummerte. Sie hatte genug von den Töchtern. Sie ersehnte einen Knaben, ihn riefen ihre Gebete, ihre Träume. Ein Knabe, das war ein Fest, das die Rabbiner feierten, das bedeutete nach dem Ritus die Besuche aller Juden des Landes, die herbeikamen, um die Gesegnete zu preisen, die Gott mit seiner Gnade berührt hatte. Und erst der Tag der Beschneidung! Da wurde sie zur Königin erklärt und an diesem Tag sind Moses und alle Propheten gegenwärtig, um das Haus zu segnen. So oft sie daran dachte, erbleichte Rahel in bangender Hoffnung. „Mein Gott, wenn es diesmal der ,Schumir Israel' (Stammhalter) wäre, den du mir schicken willst!" Aber der so heiß ersehnte Knabe wollte nie kommen. Wie blutete Raheis Herz, wenn sie beim Bad, das sie fünfzig Tage nach der Geburt einer kleinen Sarah oder Messaouda nahm, am Rand des heiligen Beckens mit den Glücklichen zusammentraf, die ihr Bad ,,nach den dreißig Tagen" nahmen. ,,Lasset die Königinnen vorangehen!" rief die Wärterin des Hammam. „Alles was vom Mädchen kommt ist Schmerz und Demütigung", dachte Rahel und senkte den Kopf. Sie mußte sogar hinter ihrer Dienstmagd Rebekka zurückstehen, die seit dreißig Tagen Mutter eines Knaben war und badete nach ihr! Am Abend des Bades warf sich Rahel in ihrem lila Seidennachtgewand, das Haar von einem Tuch mit Goldfransen umwunden, im Schlaf gemach auf die Knie und flehte Gott an, ihrer zu gedenken, und ihr den Sohn zu schenken, den sie mit Stolz tragen würde.

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