Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 11 (November 1926)
- Article
- Der Traumsiedler
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 634 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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634 MENORAH auf dem Dach, wie du. Aber damals trampelte sein Sohn schon unter meinem Herzen." Isa ist reizend. Ich hätte Lust, sie zu umarmen und zu küssen.. . Nein! Sie könnte es mißverstehen. Ich verabschiede mich daher und gehe. „Sobald Iljitschka kommt, schicke ihn zu Großväterchen." „Ja, ja!" Jetzt bin ich nicht mehr so besorgt um Großväterchen. Vielleicht ist er nicht einmal so ernst krank. Denn er lächelt immer. Indessen werfe ich immer wieder einen Blick nach dem Weg, auf dem Iljitschka zu kommen hätte. Beracha ist ungeduldig und meint, man sollte jemanden um ihn ins Dorf schicken. Manchmal bin ich deswegen Beracha entschieden böse. Denn die Unruhe wirkt ansteckend und ergreift auch mich. Beracha weiß nicht, wie wichtig es ist, daß der kleine Abdullah von Iljitschka gerettet werde. Trotzdem spähe ich immer wieder nach jenem Weg. Auch um Iljitschka bin ich zuweilen besorgt; es ist ja nicht unmöglich, daß man ihn ins Dorf lockte, um ihn einfach loszuwerden. Vielleicht weiß man, daß er das Herz und die Vernunft unserer Kolonie ist. Da steigt eine weiße Wolke über den Hügeln. Ja, das dürfte Iljitschka sein. Dann aber . .. eine Überraschung. Er kommt in einem Karren, von einem Pferd gezogen? Hier sah ich ja noch kein Pferd. Haben die Araber Pferde? Ein starkes, feuriges Tier! Warum freut es mich so sehr? Ich denke an das Abendland, an die Städte und Dörfer. Schmerzliche Erinnerungen wogen!. . . Aber — nicht Iljitschka ist es. Auch kein Araber. Ein Fremder sitzt am Bock, steif, wohlgemut und lenkt das flinke Pferd. Ha! Jetzt hat er mich schon erblickt, wendet den Karren zu mir und trabt geradewegs auf mich zu. Er bleibt stehen und wiegt den Kopf. „No, Bruder, du hast noch nicht geerntet?" „Noch nicht." „Du hast Hirse hier, was?" „Hirse." „Das heißt, einmal hast du doch schon geerntet." „Einmal schon", sage ich wortkarg. „Hast du etwas zu verkaufen? Ich bin Soliman, der Mäkler. In dieser Gegend kennt ein Jeder mein Gold .. Mein Gold!. . . Das Wort war mir wie ein Schlag ins Gesicht. „Nein, ich habe nichts zu verkaufen."