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Menorah · 1926-11-01 · Heft 11 (November 1926) · p. Seite 624

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 11 (November 1926)
Article
Saloniki, das Zentrum der Sephardim
Date
1926-11-01
Page
Seite 624 (sequence 2)
Language
German
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624 MENORAH in den Gassen oder außerhalb der Mauer promenierten, und niemals einen feineren Ausdruck in den Gesichtern. Es war ein Wohlwollen, das nicht ängstlich war sich zu zeigen, mit Würde gepaart. Ware ich Jude und wohnte im Norden Europas, würde ich jedes Jahr nach Saloniki reisen, wie in ein Bad. Ich würde meine Stammesverwandten aufsuchen, ich zöge den zobelverbrämten Kaftan an und die hellen Unterkleider und die Freude über des auserwählten Volkes Schönheit, soweit sie bewahrt werden und sich entwickeln konnte, würde meine Beine strecken und meinen Rücken aufrichten ..." (,,Mennesker and Dyr", 1891,) -Ä^ls ich gegen Ende 1925 einige Tage in Saloniki weilte, erlebte ich etwas von der Stimmung, der Kielland beredten Ausdruck verlieh. Will man den Anblick der Stadt genießen, tut man am besten, sich außerhalb ihrer Mauern ein Plätzchen zu suchen; auf einem Fahrzeug draußen im Meerbusen erhält man einen herrlichen Rundblick über Salonikis pittoreskes, terrassenförmiges Panorama mit dem schneebedeckten Olymp im Hintergrund. Aber innerhalb der Mauern sieht man zunächst nur die altorientalische Stadt aus Abdul Hamids Zeit, mit den engen krummen Gassen, mit halbverfallenen Häusern, mit kleinen türkischen Cafes, daneben moderne Warenhäuser mit dem gewohnten orientalischen Lärm und Wirrwarr. Inmitten dieser halbverfallenen und halbniedergebrannten Ruinenhaufen wächst mit erstaunlicher Schnelligkeit eine neue Stadt empor, mit breiten Boulevards, mit Kanalisation, elektrischer Straßenbeleuchtung und mit einer durch den BevölkerungsWechsel der letzten Jahre nahezu verdoppelten Einwohnerzahl. Diese unharmonische Mischung von Alt und Neu wirkt beunruhigend und ermüdend. Das jüdische Saloniki dagegen schenkt dem Besucher erbauliche eindrucksvolle Stunden. Es hat zwar viel von seinem alten Glanz verloren. Wiederholte Kriege und vernichtende Feuersbrünste zehrten an seinem Lebensnerv. Doch jetzt steht es kraftvoll und lebensstark, würdig der großen Vergangenheit, auf die es zurückblickt. Man weiß wenig vom Schicksal dieser Siedlung aus dem ersten Jahrtausend d. gew. Zeitrechnung. Im Jahre 1170 fand der jüdische Weltreisende Benjamin von Tudela in Saloniki 500 Einwohner, die sich mit allerlei Handwerk beschäftigten, sie hatten ihren eigenen Vorsteher, der von der Regierung entlohnt war. Im 12. und 13. Jahrhundert gesellten sich zu der ursprünglichen Stammbevölkerung bedeutende Flüchtlingsgruppen aus Deutschland, Frankreich und Italien, die eigene Synagogen gründeten, genannt nach dem je-

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