Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 11 (November 1926)
- Article
- Saloniki, das Zentrum der Sephardim
- Date
- 1926-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Saloniki, das Zentrum der Sephardim Von Dr. M. Ehrenpreis Dr. M. Ehrenpreis, Oberrabbiner in Stockholm, vorher Rabbiner in Sofia, wurde im Vorjahre eingeladen, das zu schaffende Oberrabbinat von Griechenland zu übernehmen und aloniki — schon den Namen umgab durch Jahrhunderte innerhalb des Judentums ein Schimmer von Poesie. Das ehrwürdige Alter der jüdischen Gemeinde und ihre einzigartige Traditionstreue machte sie zu einer Art Jerusalem des Exils, dessen Glanz lange nicht verblichen ist. Berühmt war die Frömmigkeit, wie die Gastfreiheit dieser Gemeinde, die viele jüdische Flüchtlinge aus der ganzen jüdischen Diaspora anzog. Aber erst durch die Masseneinwanderung der sephardischen Juden aus der iberischen Halbinsel gegen Ende des 15. Jahrhunderts gewann diese Gemeinde ihre dominierende Stellung. Hier versammelten sich gelehrte Rabbinen, Dichter wie Großkaufleute, hier entstanden die ältesten hebräischen Buchdruckereien und Bibliotheken und fand die spanisch-jüdische Kultur eine gesicherte Pflegestätte. Die Salonikier Gemeinde betrachtete sich seitdem als das Zentrum der Sephardim und der portugiesische jüdische Dichter Samuel Usque bezeichnet es damals mit dem stolzen Schriftwort: „Eine Mutter in Israel." Sultan Bajesid IL, der den Vertriebenen die Einwanderung gestattet hatte, meinte: „Ferdinand der Katholische machte sein Land arm, um mein Land zu bereichern.'4 Saloniki ward das Zentrum einer wiedergeborenen jüdischen Tradition, in Treue und Reinheit bewahrt von den spanischen und portugiesischen Juden, den Sephardim. So entstand etwas Einzigartiges: eine ausgeprägt jüdische Stadt in der Diaspora mit jüdischer Bevölkerungsmajorität, mit einem in vollster Freiheit gepflegten Leben in jüdischer Tradition, das unberührt blieb vom Wechsel der Generationen. Nach dem zweiten Balkankriege sprach man von einer Umwandlung Salonikis in eine internationale jüdische Freistadt unter dem Schutze der Mächte. Reisende erzählten mit Bewunderung vom Eigenleben der jüdischen Gemeinschaft. So berichtet der norwegische Dichter Alexander L. Kielland: „Der Anblick dieser Abkömmlinge der alten Juden erklärte mir Josephus' Geschichte, die ich halb mißtrauend im Winter gelesen hatte. In den Juden in Saloniki erkennt man wieder die ungezähmte Kraft, von welcher Josephus erzählt, das Heldenvolk, das härteste etwa, das die Römer zu brechen hatten... Niemals sah ich hübschere Männer als diese Juden in Saloniki, die am Sabbath-Morgen hielt sich u. a. längere Zeit in Saloniki auf. Der Übersetzer.