Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 11 (November 1926)
- Article
- Die Hierosolymitanische Stiftung [Illustration]
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 621 (sequence 11)
- Language
- German
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DIE HIEROSOLYMITANISCHE STIFTUNG 621 Als im Jahre 1871 Ludwig Wertheim gestorben war, wurde an seine Stelle über Antrag des Wiener Kultusvorstandes Rabbiner Dr. Moritz Güdemann zum Mitkurator bestellt. Im Jahre 1895 wurde vom österreichischen Konsulat in Jerusalem bemerkt, daß die oben erwähnte Regelung der Auszahlung nach einem bestimmten Schlüssel nicht dem Stiftsbriefe entspreche. Hierauf beauftragte über dessen Vorschlag die Statthalterei die Kuratoren, die Verteilung im Sinne des Stiftsbriefes vorzunehmen20). Im Jahre 1897 überreichten die damaligen Kuratoren Wilhelm von Wertheimstein und Dr. Güdemann eine Eingabe, daß man Tiberias in die Beteilung einbeziehen soll, wenn auch diese Gemeinde im Stiftsbriefe nicht enthalten sei, da zur Zeit der Abfassung desselben dort gar keine Judengemeinde bestanden hat. Die Statthalterei stimmte diesem Ersuchen im Jahre 1898 bei. Am 23. Jänner 1902 ersuchte die Wiener Kultusgemeinde, gelegentlich des erfolgten Todes des Kurators Wilhelm von Wertheimstein, die Statthalterei um Bekanntgabe, über welches Vermögen die Stiftung verfüge und in welcher Weise die Stiftungszinsen zu verteilen sind. Am 26. März 1902 verständigte die nieder- Österreichische Statthalterei den Kultusvorstand, daß das Kapital der Stiftung K 62.100 betrage und in Nominale-Mairenten angelegt sei und daß jährlich ein Betrag von K 2477*80 zur Verteilung gelangen wird. An die Stelle des verstorbenen Wilhelm von Wertheimstein wurde über Vorschlag der Kultus gemeinde Ludwig Emanuel Wertheimberg als Kurator berufen, der zusammen mit dem Oberrabbiner Dr. Güdemann die letzten Kuratoren der Stiftung waren. Die Kultusgemeinde schlug auch der Statthalterei vor, daß eine genaue Kontrolle über die Persolvierung der Stiftung notwendig sei, da die Kuratoren nicht in der Lage seien, dies zu tun und daher ein Übereinkommen mit einem vertrauenswürdigen Vertreter oder einer in Palästina bestehenden Organisation zu treffen sei, welche dann dem Kuratorium alljährlich im Wege der Kultusgemeinde über die Gebarung der zur Verteilung gelangenden Erträgnisse zu berichten hätte. Infolge des Krieges und der Entwertung der österreichischen Valuta ist selbstverständlich das vorhandene Stiftungsvermögen zur Gänze verlorengegangen. Auch die neuen Verhältnisse in Palästina und der fortschreitende Aufbau der jüdischen Heimstätte haben vielleicht diese auf Unterstützung von Armen berechnete Stiftung überflüssig gemacht. 2) Siehe das vor kurzem von S. Dubnow in Buchform herausgegebene Protokoll des litauischen Waad (hebräisch), Berlin 1925, S. 43, 113, 211 usw. 2) Protokoll, S. 102. 8) Ein Zeitgenosse berichtet, daß die Juden in Palästina von Almosen der außer-