Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Vom neuen Geist der jüdischen Baukunst
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 523 (sequence 5)
- Language
- German
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GEIST DER JÜD. BAUKUNST 523 Prof. Oskar Slrnad J Wohnzimmer der neujüdischen Idee sind, nicht zu wichtig nehmen; denn neben ihrer Bewunderung für einen Lesser Ury steht gleich hoch entflammt die Bewunderung für einen Abel Pann. Sie hat nicht jenes Empfinden für Qualität, das sehr wenigen mitgegeben ist, sonst aber nur durch eine sorgfältige Erziehung bis zu einiger Sicherheit entwickelt wird, und sie hat nicht die selbstlos verlorene Hingabe an das Werk, die Demut der Betrachtung, aus der die tiefsten Einsichten kommen. Sie weiß nicht zu unterscheiden. In ihrem Wirkungskreis gedeihen nach wie vor die Irrtümer des Spießers, der die braven Bilder eines Oppenheim für jüdische Kunst, Kunst höherer Ordnung, hält, weil hier auf eine anschauliche, gefällige und ein wenig rührende Weise von den Wochen und Festen des jüdischen Familienlehens berichtet wird, und selbst ihre fortgeschrittenen Anhänger sind bereit, einen altvaterischen perlengestickten Klingelzug oder ein Samtkäppchen für lebendiges Judenhandwerk gelten zu lassen, falls nur diese Dinge mit dem Schild Davids geziert sind. Das nationale Unternehmen mag noch so viele Schranken geöffnet haben, im Horizont der Kunst ist das Ghetto geblieben. Bis heute fehlt in dieser Hinsicht jedes ernstere Interesse und deshalb auch jedes feste Programm. Trotz etlicher Kundgebungen für das und jenes oder für den und jenen ist das Verhältnis des jüdischen