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Menorah · 1926-09-01 · Heft 9 (September 1926) · p. Seite 521

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 9 (September 1926)
Article
Vom neuen Geist der jüdischen Baukunst
Date
1926-09-01
Page
Seite 521 (sequence 3)
Language
German
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GEIST DER JÜD. BAUKUNST 521 steht es in Wahrheit nicht anders, auch sie ist seicht und selbstgefällig, auch sie nur ein Trugbild jüdischer Kunst. Nein, an den Stoffen liegt es nicht und — im Bereich der angewandten Künste, des Handwerks und der Architektur — nicht an den Zwecken. Das gilt auch für den Gebetraum, von dem unsere Betrachtung ausgegangen ist. Um jüdisch zu sein, müßte er die Form und die Seele eines Judentempels haben. Das wird von seinen Verehrern auch behauptet. Aber wie steht es in Wahrheit damit? Es ist gar nicht lange her, daß wir an der Seite eines bedeutenden Architekten einen andern, sehr bescheidenen, um nicht zu sagen: armseligen Wiener Tempel besucht haben. Ein einfacher Saal unter einem weit gespannten Tonnengewölbe. Sichtlich mit kargen Mitteln und in aller Eile aufgerichtet. Gewiß nicht schön, aber stark und rein im Charakter. So wenigstens wirkte er auf unseren Gewährsmann, der ihn zum erstenmal betreten hatte: Wie eine innere Sensation. Der sonst sehr besonnene, logisch beherrschte Künstler war fast außer sich geraten, seine für jedwede echte Gestaltung sehr empfindlichen Nerven begannen zu spielen, sein Gang wurde erregt, der bewegte Körper suchte den Raum nach allen Richtungen ab und kam erst wieder zur Ruhe, als er ihn völlig in sich aufgenommen hatte. Denn alle Architektur ist Raumgestaltung und, was sie — angenehm oder feierlich — beschert, ist Raumerlebnis. Noch bevor der Künstler etwas gesagt hatte, sah, verspürte man, daß ihn in diesem nüchternen, ärmlichen Saal ein großes Raumerlebnis überfallen hatte. Dann aber erklärte er sein seitsames Betragen: Hier sei der Sinn der Sache im Kern erkannt, die Aufgabe aufrichtig und wesentlich gelöst. Vielleicht nicht von einem diplomierten Baumeister, sondern nur von einem einfachen Handwerker, doch im Gefühl und im Geist jener religiösen Gemeinschaft, der das Werk zu dienen bestimmt war. Hier sei ein echter Judentempel: Versammlungsraum und Notbau. Darauf aber käme es vor allem an. Denn der jüdische Tempel von heute will die Gläubigen sammeln, ihrer stillen Gemeinschaft das umschließende Gehäuse geben, ihre Aufmerksamkeit nicht auf sich ablenken, sondern ihrer Andacht; nach innen verhelfen. Seit wir, fern von der alten heiligen Heimat, auf der Wanderschaft sind, stehen unseren Zusammenkünften die prächtigen Paläste schlecht an. Für die Landflüchtigen und Umhergetriebenen, deren Gebete voll sind von der Sehnsucht nach der Rückkehr in die verlorene Herrlichkeit, taugen besser die Notbaiiten von der Art der Zelte und Magazine, jederzeit zum Ab-

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