Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Der Traumsiedler
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 517 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912862-2918160--03716-2918268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DER TRAUMSIEDLER 517 Sein Gesicht verdunkelt sich noch mehr. „Er erntet? So wird er sicher nicht mit mir kommen." — „Er geht mit dir!" — „Du weißt es?" — „Ich weiß es." — „Das ist gut." Er grüßt. Er besteigt das andere Tier, das sich ausgeruht hatte. Der unbeladene Esel trabt an seiner Seite. Ich habe ihn gar nicht gefragt, wer krank ist. Wer auch immer, Iljitschka wird mit ihm gehen. Selbst wenn er erntet. Er läßt alles stehen. Er wird es morgen fortsetzen. Kann er nicht bald zurück sein, so werden wir, seine Brüder, die Arbeit verrichten. .. He, Zebuion, wo bist du? Ei, schau her, was der für flinke Hände hat! Er grub sich hinauf bis zur Amazonensiedlung. Wenn er zurückkommt, werde ich ihm sagen, daß wir die Einbringung der Ernte auf Iljitschkas Feld fortsetzen müssen. Denn Iljitschka weilt auf Krankenbesuch bei den Arabern. Wer weiß, ob er nicht tagelang dort bleibt. Jetzt höre ich wieder die fliegenden Hufe. Ein lieblicher Anblick, Iljitschka, wie er auf dem weißen Esel dahinrast. Die Wundertasche hat er mit. Er wird den Kranken Ibn al Farids heilen. Das ist jetzt wichtiger als die Ernte. „Sage den Brüdern, Jischaj, ich bin oben im Dorf. Der kleine Abdullah ist schwer krank." „Gehe nur in Frieden, Iljitschka." Und sie reiten weiter. Ich habe Angst. Schwer krank! Beeilt euch! — rufe ich ihnen lautlos nach. Wenn sie nur nicht zu spät kommen! Wie wenn es sich um meinen Schatz handelte, bin ich voll Sorge um den kleinen Abdullah. Es ist nicht zum erstenmal, daß ich an den kleinen Abdullah denke. So oft beschleicht mich die Erinnerung an die Nacht der Gesichte und den vorhergehenden Abend. Kalbu schwatzte von Abdullah, der seinen Vater auf dem Esel zum „Ziegeneuter" begleitet hatte. Dieser Abdullah ist ein Kind, er dürfte kaum mehr als fünf Jahre alt sein und er gibt seinem Vater schon Geleit. Vielleicht folgt er ihm auch in seinen dunkeln Plänen. Über kurz und lang hängt man ihm auch eine Flinte um die Schulter und er wird seinem Vater ähnlich. Nicht ärger und nicht besser, ganz wie er. Er wird das Maultier ebenso züchten, mit dem Holzpflug ebenso pflügen, die Gerste ebenso und am selben Ort säen, seine Tage ebenso verleben, im selben eitlen Müßiggang herumschweifen. Und wie wir dem Vater verhaßt sind, da wir ihn durch unsere Gegenwart zu einer angespannteren Arbeit zwingen, so werden ihm einst unsere Kinder verhaßt sein. Aber wir und unsere Kinder! Haben wir erst jetzt angefangen oder