Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Der Traumsiedler
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 518 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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518 MENORAH ist es wohl schon lange her? ... Wir beginnen stets von neuem, wollen stets ein Neues und sind so ganz anders, als unsere Väter. Sind unsere Väter mit Eseln gefahren, so wünschen wir uns Pferde, und haben wir Pferde gehabt, so besteigen unsere Kinder wild dahinstürmende Kraftwagen. Ein trotzigkühner Stamm versteifter Aufrührer sind wir, wir lehnen uns gegen Gott und die Ahnen auf. Wir lieben und belächeln sie ... Abends beschäftige ich mich mit dem Haus. . . ich schöpfe Wasser für Beracha, und reinige meinen Brunnen. Und höre den Kindern zu, die sich auf dem Dache versammeln. Jetzt sind sie dort am liebsten. . . dort bauen sie ihr Leben, ihr Tel-Chalom. ,,Hier wird der Bahnhof stehen," sagt Ezer, „hier laufen die Züge ein." „Nicht hier, versetzt Melech, „weiter unten bei der Siedlung des Litauers, dort weitet sich das Tal. Hier wird der Markt stehen." „Kein Markt!" sagt Zipporah. „Eine Promenade!" „Das meine ich auch," sagt Melech ernst, „eine Promenade. Ein Hain mit Kokospalmen und Olivenbäumen." „Ja, ein Hain." „Und wo wird das Theater stehen?" fragt Ezer. Zippora weiß Bescheid: „Rüben sagt, ihreSiedlung ist in der Mitte." Ezer: „Onkel Iljitschka hat seine Siedlung in der Mitte." Melech: „Auf Onkel Iljitschkas Siedlung wird das Spital stehen." Das wird einstimmig angenommen. Auf Iljitschkas Grund wird das Spital stehen. Ezer stellt noch einmal die Frage: „Und wo wird das Theater sein?" Ich höre Melechs Stimme: „Naomis Siedlung liegt am höchsten. Dort wird es sein." „Gut, wenn nur der Hain so weit reicht." „Natürlich reicht er so weit." Kalbu hat auch eine Frage: „Und wo wird die Flugmaschine landen?" „Dummkopf," antwortet Ezer, „auf dem Mohnkuchen." Kalbu setzt sich zur Wehr: „Du bist ein Dummkopf! Sie wird doch die Ziegen und Kühe nicht überfahren?" „Für diese trocknen wir den Morast aus, sie werden dort weiden." Ich muß lächeln, wenn ich an sie denke. Es kränkt mich gar nicht, daß sie so manches anderes wollen. Daß sie das, was wir erbaut haben, zerstören wollen. Mich befriedigt nur nicht, daß sich jenseits der Tel- Chalomer Hügel an den Hütten der Araber nichts ändern will. (Das lk. Kapitel folgt in der nächsten Nummer.)