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Menorah · 1926-09-01 · Heft 9 (September 1926) · p. Seite 513

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 9 (September 1926)
Article
Der Traumsiedler
Date
1926-09-01
Page
Seite 513 (sequence 2)
Language
German
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DER TRAUMSIEDLER 513 „Nein!" antworte ich, „sei zuerst mit deiner Arbeit fertig." Iljitschka kommt mitunter zu mir, befühlt meinen Puls und schreibt mir das bittere Pulver dreimal täglich vor. Es ist nicht mehr so bitter. Sein Geschmack aber und Geruch erinnert mich an die Krankheit, an die Tage, da ich ohnmächtig auf dem Dache lag: „Dein Körper beginnt es von neuem," sagt er mir, „so müssen wir es immer auch. Das Beginnen ist die größte aller Freuden." Ein anderes Mal sagt er: „Bis wir vollbracht, was wir begonnen haben, wird es anders in uns. Das Beginnen ist wie eine blühende Blume; bis wir fertig sind, verfliegt aber ihr Duft. Man muß daher immer wieder beginnen." Mir scheint, Iljitschka will mich auch bloß trösten. Aber es ist etwas Heiliges, das seinen Worten eine so tiefe Kraft verleiht. Lange noch fühle ich den Balsam seiner Worte, die mir die Kraft geben, zu arbeiten. Iljitschka hilft mehr mit seinen Worten, als mit seinem Pulver. „Lass' deine Hilfe," sage ich Zebuion, der auf seinem Feld bereits alles beendet hat und sich nochmals erbötig macht, mir zu helfen, „ich bin schon stark genug, um mit dieser Kleinigkeit fertig zu werden." „Kleinigkeit? Nein. Eine harte Arbeit, an die ich mich mache. Die durchnäßte grüne Gerste wird mit der Sichel geschnitten und dann getrocknet. Hierauf eile ich übers Stoppelfeld mit Schaufel und Spaten. Die Erde ist weich und das erleichtert mir die Arbeit. Schließlich streue ich die Hirse über den Acker. Eine Arbeit, die wohltut. Ein Beginnen. Wieder steigt mir der Mut. Wenn ich nur das retten könnte, was ich gesät habe, wenn auch nur die Hälfte, ein halbes Säckchen, auf daß ich nächstes Jahr wieder anfangen kann.. ." Im nächsten Jahr wieder? Schauder erfaßt mich, nein, das nicht! Auf Reis verstehe ich mich nicht, das muß ich doch einsehen... Wie ich jetzt in mich schaue — vielleicht habe ich in bösen Augenblicken diese Katastrophe selbst gewünscht. Vielleicht, damit nur meine Unwissenheit nicht zutage tritt. Und dennoch plage ich mich jetzt mit der Ableitung des Wassers, vielleicht gelingt es mir doch, den Nachweis zu erbringen, daß ich mich nicht geirrt habe. Daß der Reis doch reifen wird. Zebuion bietet mir zum drittenmal seine Hilfe an. Jetzt bin ich schon verstockt und meine Antwort ist nicht ganz ohne Dünkel. „Nein!" „Schau'," versucht er mich zu überreden, „ich habe nichts zu tun, du aber hast eine große Familie, außerdem Großväterchen und das fremde Kind." „Ich kann sie ernähren", sage ich und bin froh, daß ich Gelegenheit habe, einige Worte zu sprechen, um inzwischen auszuruhen.

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