Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Sabbat
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 499 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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SABBAT 499 daß man dieses Herz und Gehirn der jüdischen Gemeinschaft mit allen äußersten Mitteln zu schützen bestrebt war? Herz, weil heiliges, sittlichreligiöses Erziehungsmittel; Gehirn, weil Erkenntnisquelle in feierlicher, ausgespannter Muße. Mit lausenden, extremen, ja kleinlichen, peinlichen Mitteln, angelehnt an Worte und abgeleitet aus Erzählungen, Sätzen, Worten, Buchstaben der Heiligen Schrift; mit Geboten, Verboten. Vorschriften, die an einem Faden hingen; ist es ein Wunder, daß Traktate, Codices sich bemühen, dieses Kleinod und unveräußerliche Kulturgut des Judentums mit dichtesten Zäunen, Mauern, Gittern, Verstauungen zu umgeben und es fast ersticken zu lassen? So daß dem getrübten Auge jüdischer und nichtjüdischer Beobachter Kern und Stern kaum mehr sichtbar waren?! So erklärt es sich, daß das befangene Auge und Urteil selbst größter nichtjüdischer Forscher alter und neuer Zeit den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen und den Sabbat als eine Karikatur eines festlichen, heiligen Tages schildern? Dazu kommt die klare Absicht, ihn lächerlich zu machen und herabzusetzen. Aus Midrasch und Talmud und Ritualcodices werden da die erdrückend vielen kleinlichen Gesetze hervorgeholt und aus ihnen die Jämmerlichkeit der Sabbatfeier abgeleitet; ein Zerrbild dieses wundervollen Tages entworfen, das dem wahrhaftigen jüdischen Sabbat so ähnlich ist, wie ein Prachtgemälde den Farbentöpfen, Palettenklecksen und Pinseln des Künstlers, der es gemalt hat. Und dann sagen diese sonst so objektiven und gelehrten Männer: Seht, so sieht der jüdische Sabbat ausl Sie haben keinen Hauch seines Geistes verspürt; und brauchten doch nur in ein jüdisches Haus am Sabbat blicken, eine Sjmagoge am Sabbat besuchen, um das richtige Bild zu erhalten! Sie sprechen unaufhörlich von Sabbatlast und sehen nicht die Sabbatlust. Nur das Körperliche nehmen sie wahr, ohne die Sabbatseele zu begreifen. Sie wissen nicht und können nicht wissen, daß Sabbat vereint mit ethischem Monotheismus Lebensbedingung, Lebensnerv des Judentums ist und jede grobe Verletzung einem Sakrilegium gleichkommt. Ein Stück aus dem tapferen Buche Fritz Kahns „Die Juden als Rasse und Kulturvolk" sei als Schluß dieser nur skizzenhaften Abhandlung hiehergesetzt: ,,Aus sittlichen Motiven geboren und zu sittlichen Erfüllungen verpflichtend, hat der jüdische Sabbat nichts, aber auch gar nichts mehr gemein mit den Unglückssabbaten der Babylonier, ja auch nichts gemein mit dem arischen Sonntag. Der jüdische Sabbat ist unvergleichlich mehr als profane Arbeitspause oder ein Tag vulgären Volksvergnügens. Weltüberwindende Würde weiht die Stunden,