Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Sabbat
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 500 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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500 MENORAH die vom Sabbatlicht durchstrahlt sind. Sabbattag in einer jüdischen Stadt — wer lebte ihn? Und wer ihn lebte, wer vergißt ihn? Da lärmen keine Karussels, da laufen nicht die Kellner schwitzend mit den Kaffeetassen zwischen den besetzten Tischen und schleppt nicht der müde Gaul die Sippschaft seines Herrn zur Rennbahn hin — ,auf daß Dein Ochs und Dein Esel ruhen und sich erholen der Sohn Deiner Magd und der Fremde in Deinen Toren' — darum hat Dir der Ewige, Dein Gott, den Sabbat befohlen." Indem das Judentum so den Sabbat als den einzig benannten Tag der Woche nicht nur über alle Arbeitstage, sondern in der Strenge seiner Heiligkeit sogar über alle Feste hebt, proklamiert er in ihm eines jener erlauchtesten Postulate: Die Superiorität der sabbatlichen Kontemplation über den werktäglichen Aktivismus. Hoch steht die Arbeit — aber höher die Ruhe; höher als die Tat, die ihn erzeugt, steht der Gedanke, die sie gebiert. Operari sequitur esse. Arbeit: Weg zum Leben, aber nicht wie in unserer amerikanisierten Welt Inhalt und Endzweck. An den Werktagen arbeitet man, aber man lebt am Sabbat. Der Sabbat ist die siebentägige Verkündigung der Autonomie des Geistes über den Körper, der Suprematie der Freiheit über alle irdischen Bindungen. T*^i2WW t/22 Jakob Steinhardt / Sabbat