Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Sabbat
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 492 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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492 MENORAH festhalten an meinem Bunde — denen verleihe ich in meinem Hause, in meinen Mauern, Denkmal und Namen, besser als Söhne und Töchter, einen ewigen Namen will ich ihnen verleihen, der nicht vertilgt wird. Und die Fremdlinge, die sich mir anschließen, mir zu dienen, die meinen Namen lieben, meine Diener zu sein, wer immer den Sabbat wahrt, ihn nicht entweihend, festhält an meinem Bunde — die will ich bringen auf meinen heiligen Berg, sie erfreuen in meinem Hause, denn mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker." Aus dieser Rede folgt, daß der Sabbat und dessen gewissenhafte Beobachtung geradezu mit Sittlichkeit identifiziert ist. Seine Einstellung in den Dekalog war offenbar längst erfolgt Und durch seine Motivierung daselbst ist gewiß, daß der Sabbat die Gleichstellung der Menschen trotz der Verschiedenheit der sozialen Lage sicherstellen will. So wurde er der Schulzpatron des Volkes. Im Sabbat hatte sich Gott als der einzige Gott der Menschenliebe erwiesen. In ihm findet der ethische Sozialismus seinen programmatischen Ausdruck. Die prinzipielle Erhaltung des Sabbat für die jüdische Gemeinde ist das Wahrzeichen der sozialethischen Grundlehre des Judentums und ein Protest gegen die Verlegung des Sabbat auf den Erinnerungstag an die Auferstehung Christi. Gewiß, die angeführte Deutero-Jesaiah-Stelie ist verhältnismäßig jung. Sie stammt aus exilischer Zeit und steht im Zusammenhange mit dem Zulauf vieler Proselyten und einer großen missionaren Propaganda für den Glauben an den einzigen Gott. Sie ist aber alt und ehrwürdig genug, um zu zeigen, was der Sabbat dem großen Sittenlehrer bedeutete, der damals seine Reden hielt und wie tief die Sabbatidee, wenn auch nicht in der idealen Vollendung des Propheten, eingewurzelt war. Er muß in seiner ganzen Weihe entwickelt gewesen sein, die uns aus der Überlieferung verkündet wird, daß Gott am Sabbat von seinem Schöpfungswerke ausgeruht habe, was nichts anderes sagen will als: Seht, so groß ist der Sabbat; so heilig. Und anderseits sagt das nichts anderes als: Die Schöpfung war vollendet. Hier muß auch auf Jesaiah 58 hingewiesen werden, woselbst der Sabbat neben anderen erhabensten Sittenlehren geradezu glorifiziert wird. Es ist das wundervolle Stück, das wir am Versöhnungstage lesen. Solches konnte nur vor einer verständnisvollen Gemeinde geschehen. VI. Von einer durchgängigen Heiligung des Sabbat war aber damals nirgendwo die Rede, zumal die Sabbatgesetzgebung in späterem Ausmaße durchaus unvollendet war. Die Grundlehren jedoch wurden sicher in breiten Kreisen erfüllt. Das kann man auch aus der Ansprache