Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Sabbat
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 490 (sequence 4)
- Language
- German
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490 MENORAH dächtnisse bewahrt; Spuren davon mögen nach der ersten Einwanderung nach Kanaan übrig geblieben sein. Bei den damals dort siedelnden Hebräern und den Nachbarvölkern findet sich allerdings nichts dergleichen; auch nicht im Kodex des Hamurabi, der jahrhundertelang in ganz Vorderasien Geltung hatte. In Ägypten scheint in Hebräerkreisen die Erinnerung nicht erstorben zu sein. Erst im Zeitalter des Moses erwacht der Gedanke zu neuer Kraft und Lebendigkeit und wird neu geboren. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der israelitische- Wochensabbat seinem Wesen und Inhalte nach etwas durchaus Originelles, Eigenartiges geworden ist durch seine Emporhebung in das Gebiet des Religiösen, Sozialen, Ethischen und seine Beziehung auf den Gottesgedanken und die Schöpfung. Mit der Entwicklung des heidnischnationalen GottesbegrifYes zum universell-monotheistischen geht die der Sabbatidee parallel. Das gilt für eine gewaltige Reihe von Thoragesetzen und wird von der Thora selbst durchaus nicht verheimlicht. IV. Man muß und darf sich deshalb beruhigt auch in betrefT der Geschichte des Sabbat innerhalb des Volkes Israel der Führung der Bibel anvertrauen. Hier ist nun strenge zwischen absolut historischen und rein religiösen Quellen zu unterscheiden, wie bei wissenschaftlicher Lektüre aller heiligen Schriften. Eine solche historische Quelle ist die im zweiten Buche der Könige überlieferte Geschichte der mit dem Propheten Elischa befreundeten Sanamitin. Existenz und Feier des Sabbat sind hier vorausgesetzt, wenn wir auch aus der kurzen Erwähnung von „Chodesch und Sabbat" keine klaren Folgerungen ziehen können. Ganz anders und charakteristisch sind die Prophetenberichte. Arnos (8, 4) predigt: „Hört Ihr, die Ihr die Armen zugrunderichtet und die Blutsauger der Elenden seid, die Ihr sprechet: Wann ist denn endlich der Neumond vorbei, daß wir Korn verkaufen, und der Sabbat, daß wir die Speicher öffnen." Hier ist vom Sabbat als von einer uralten, selbstverständlichen Einrichtung die Rede, die gehalten und beobachtet wurde. Und wenn schon das Verkaufsverbot in diesem Alter tum vorhanden war, um wieviel mehr kann vorausgesetzt werden, daß um diese Zeit alle anderen Grundlehren des Sabbat, auch die rein religiösen, gekannt und befolgt waren. Das Schweigen älterer Quellen ist also nicht beweisend. Arnos wettert hier gegen die Wucherer, die es nicht erwarten können, bis der Sabbat vorüber ist, die nur das Äußere des Sabbat hüten, sein inneres Wesen, die Heiligung, verletzen. Solche Heuchler gab es zu allen Zeiten und auf allen Gebieten.