Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Habimah
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 465 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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HABIMAH 465 teske, die oft das gerade Widerspiel der Legende hervorbringt. Stanislawskis Einfluß tritt im ,,Ewigen Juden" in den Vordergrund, der sozusagen optisch harmonischesten Aufführung dieses Moskauer Ensembles, in der der Regisseur M t s c h e d e 1 o ff dem eine klare, ruhige Optik gewährenden Halbrund des Szenenbildes ein stets rhythmisch geschlossenes Menschengruppenbild ausgezeichnet angepaßt hat. „Jaäkohs Traum", im Anfang über die sozusagen slels nnanslößige Kultiviertheit des Werkes hinaus vom Regisseur der „Habimah" - Aufführung zu einem Urmenschenkampf geformt, wird zum Schluß infolge überwueherns des hymnischen Lyrismus zu einer Zauberoper und in der „Sintflut" wird der recht gewaltsame Versuch gemacht, jüdisches Milieu naturalistisch zu gestalten; aber gerade dieses Stück verträgt (oder wird dann vielleicht erträglich) nur groteskes Theater ohne Realistik, ohne Milieu. Im ganzen genommen, ist das Theater, das „Habimah", übrigens mit bewunderungswürdiger Hingebung, bringt, kein organisches, sondern eine Art eklektischen Theaters, dessen Stilelemente oft auseinanderzufallen drohen. Von diesem Stil kann nicht jene Art von Offenbarung kommen, die doch unzweifelhaft ihre Wirkung aufs Publikum übte; denn er ist kein organischer Theaterstil, sondern die Stileklektik des Studios, der Versuchsbühne. Es darf nicht übersehen werden, daß „Habimah" in Anlage und Entwicklung tatsächlich Studio ist, also Vorgang in der Retorte, nicht Naturereignis. „Habimah" ist zweimal begründet worden, beide Male durch die begeisterte Initiative ihres heutigen Direktors N. L. Zern ach. Er organisierte im Jahre 1907 in der damaligen russischen Provinz Litauen eine hebräische Wandertruppe, die ihre ersten Vorstellungen in Wilna und Bialystok gab. Nachdem sie ein Repertoire von drei oder vier Stücken (darunter ein Einakter von Scholem Alcchem und zwei im Stoff jüdische Dramen des damals in Rußland überaus populären Dramatikers Ossip Dymow) aufgebaut hatte, zog sie durch die Nahum Zemach Begründer der „Habimah" Städte Litauens und Polens. Ihre Gastspielreisen führten sie auch nach dem damaligen Österreich-Ungarn und im Jahre 1913 sah Wien (ohne jede Anteilnahme) eine Aufführung der ersten „Habimah", es war — glaube ich —■ Dymows ,,Ewiger Wanderer". Durch den Krieg vernichtet, erstand „Habimah" im Jahre 1917 in M o s k a u wieder, da in den Randländern des früheren Rußland die Kriegsmaßnahmen des Zarismus alles jüdische Leben vernichtet hatten. Wieder hatte Zemachs unermüdliche Energie die Idee eines hebräischen Theaters gegen alle Widerstände, die ihr Zarismus und Revolution bereiteten, durchgesetzt. Die Verbindung mit dem berühmten Stanislawski, dem Leiter des Moskauer Künstlertheaters, schuf für Zemachs Idee den Durchführungsrahmen des Studio, gab dem Studio „Habimah" Stanislawskis künstlerische Beratung und einen genialen Regisseur, den bereits erwähnten W a c h t a n g o w. Es war unermüdliche, mühevolle Arbeit, die durch mehr als acht