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Menorah · 1926-08-01 · Heft 8 (August 1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 8 (August 1926)
Article
Habimah
Date
1926-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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HABIMAH Versuch hebräischer Bühnenkunst Von Siegfried Schmitz Auf einer Tournee, die von Polen über Österreich nach Frankreich, England, Belgien, Deutschland und schließlich (für den Hauplteil des nächsten Winters) in die Vereinigten Staaten führt, hat das Moskauer hebräische Theater „Habimah" zu Saisonende ein Gastspiel in Wien absolviert, das mit allen Begleiterscheinungen der Theatersensation stattfand: es gab Sturm auf die Kassen, übervolle Häuser (im Sommer!), begeisterte Kritiken (die Begeisterung, nach Wiener Metiergepflogenheit, um so heftiger, je weniger Geist und Wort des Dargebotenen den Kritikern verständlich war) und — als erfreulich positives Ergebnis — ein wirklich ergriffenes Publikum. Den Zuhörern wurde anscheinend etwas offenbar, was ihnen in dem „Spektakel" (als den der Wiener Theaterbesucher seit je das Schauspiel ansieht) etwas wie einen „frommen Schauder" durch die Seelen rieseln ließ. Diese Offenbarung kam .. . Von den. Stücken kam sie kaum: „Habimah" hat fünf Stücke in ihrem Repertoire: Zunächst A n - s k i s „Dybuk", jenes in Wien durch jiddische und deutsche Aufführungen bereits bekannte Legendenspiel, das, mit liebevoll, aber allzu reichlich verwendetem ethnographisch-folkloristischen Beiwerk behängt, in höchstem Grade undramatisch ist und seine Theaterwirksamkeit nur aus der Milieumalerel bestreitet, die aber in der Aufführung des Moskauer hebräischen Theaters hinler Symbol und mancherlei Tcndenzallegorie zurücktrat. Das „Golem"-Spiel von H. L e i w i k, das „Habimah** als erstes und bisher einziges Theater auf die Bühne brachte, ist eine auf starker gedanklicher, weniger theatralischer Dynamik aufgebaute dramatische Dichtung, welche die Golemmit der Messiaslegende zu verknüpfen sucht; um zu wirken, braucht dieses Stück das wörtliche und gedankliche Verständnis des Hörers, das hier, wo das Publikum zu neun Zehntel kein Wort verstand, nicht vorhanden sein konnte (übrigens war das Stück dramaturgisch nicht sehr wirksam bearbeitet). B e e r - H o f m a n n s vom Burgtheater her bekannter „Jaäkobs Traum"5 ist übrigens kein Bühnenstück und seine Problemstellung so behutsam, daß sie niemals mitreißen kann. Die dramatische Legende „Der ewige Jude" von David P i n s k i, in der der Autor, mit Heranziehung einer Midraschsage, eine „Juclaisierung" des Ahasvcrsloffes versucht hat, ist trotz heißen Bemühens so chrislologisch und schemenhaft geblieben, wie die Ahasvergeslalt eben ist. Und das letzte Stück des „Habimah"-Repertoires, die Komödie „Die Sintflut" von B e rger ist eine wenig originelle Satire auf den nur in der Todesfurcht ins Altruistische umschlagenden menschlichen Egoismus und wird überdies in der Darstellung der Moskauer mit Tragik schwer drapiert. Kam also die übermächtige Wirkung von den Darstellern? „Habimah" bringt vorzüglich disziplinierte, von unermüdlich straffender Regie oft bis zur Alernlosigkeit angekurbelte Enscmblekunst; aber die Darsteller ragen — mit Ausnahme etwa von Frau R ow i n a und den Herren F r i e d l a n d, M eßk i n und Ben-Ari — nicht über das Mittelmaß, bleiben vielfach sogar darunter. Wirkt also dieses Theater an sich? Das Thealer, das „Habimah" gibt, ist eine Mischung aus Stanislawski, TairofT, Brahm und Lyrismus. Beinahe chemisch ist diese Mischung im Moskauer „Dybuk"; freilich wird (allerdings in hervorragender künstlerischer Manier, wie sie der geniale, leider bereits im Jahre 1922, kurz nach der Dybuk-Premierc verstorbene Regisseur W achtango w, Stanislawskis Schüler, gestaltet hat) die Legende zur Gro-

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