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Menorah · 1926-08-01 · Heft 8 (August 1926) · p. Seite 457

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 8 (August 1926)
Article
Der Tischa-beaw des Sabbathianers
Date
1926-08-01
Page
Seite 457 (sequence 3)
Language
German
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DER TISCHA-BEAW DES SABBATHIANERS 457 „Mein Gott, man kann doch fragen und man kann doch antworten?!'4 „Ja, da wäre viel zu reden." „Welchen Weg des Chassidismus geht der Rabbi?" „Alle Wege führen zum. Himmel.'4 So fragten die Besucher, der Rabbi aber antwortete gerade ein Wort auf zehn Fragen. Die Besucher zogen enttäuscht ab und zuckten mit den Achseln; ihre Meinung war bereits gebildet: Ein Narr! Als die Aufklärer unseres Städtchens, die Maskilim, von dem Ergebnis des Besuches beim fremden Rabbi hörten, wurden sie neugierig und machten ihm ebenfalls einen Besuch. Auch sie zogen unverrichteter Dinge ab und stellten lachend fest: Ein Verrückter, ein kompletter Idiot! Und das Städtchen, wenigstens alles, was die Elite des Städtchens repräsentierte, hatte jedes Interesse an dem fremden Rabbi verloren und ließ ihn in Ruhe. Die einzigen, welche zu dem sonderbaren Rabbi fanden und bald zu ihm standen, waren die „Armen im Geiste", die jüdischen Handwerker, deren es viele bei uns gab. Es dauerte nicht lange, da umschwärmten sie ihn wie Fliegen den Honig, saßen scharenweise bei ihm im Garten, holten sich Rats von ihm und freuten sich seiner Nähe. Geld nahm der Fremde von ihnen nicht. Brachte jemand ein Geschenk, so nahm es die Frau des Rabbi an. Wenn die Besucher zu ihm kamen, so setzte sich der Fremde mit allen im Garten nieder und erzählte ihnen wunderbare Geschichten. Ihr Inhalt war, daß Gott die Welt erschaffen habe, um freudig und fröhlich in ihr zu leben: dort wo Freude ist, weilt die Herrlichkeit Gottes, die Schechinah; Gott kann man mit jeder Melodie, mit jedem Tanz, mit jeder freudigen Bewegung dienen, auch mit einem Glas guten Weines. Dann setzte sich der Rabbi plötzlich mit gekreuzten Beinen aufs Gras, nahm die Geige zur Hand und spielte mit geschlossenen Augen wunderbare Weisen. Die Frau des Rabbi und ihre Töchter saßen mit leuchtenden Gesichtern neben ihm und sangen leise, mit eindringlichen Stimmen mit. Alles war gebannt. Dann erhoben sich alle und tanzten miteinander. „Wir tanzen mit den Engeln!" — rief die Frau des fremden Rabbi — „Mit den Engeln tanzen wir!" Wenn dann der Tanz abbrach, wandelten die Besucher noch lange im Tale auf und nieder, wo das Häuschen mit dem fremden Gaste stand. Von Tag zu Tag wurde die Schar der Handwerker größer und dem Fremden anhänglicher. Seine Wohnung im Garten zog sie geradezu magnetisch an. Stets herrschte dort Fröhlichkeit und eine

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