Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Der Traumsiedler
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 451 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DER TRAUMSIEDLER 451 den Füßen. Ja, hier auf diesem Boden habe ich einmal etwas Großes getan. Ich! Ich! Ich habe mein Zelt längst schon niedergerissen und ein Haus erbaut... soviel Hände waren mir dabei behilflich .. . ich grub den Grund auf... ich pflügte, säte, erntete. . . Habe ich wirklich schon geerntet? Ich weiß nur, daß ich gesät habe .. . Hehehe!. .. Ja, ich säte, aber habe ich auch geerntet? Wer steht da neben mir? Meine Augenlider sind schwer... geschlossen, ich kann sie unmöglich öffnen. Aber vorhin erschloß sich doch eine schmale Spalte, ich sah etwas, jetzt ist es wieder nichts! Meine Ohren sind verstopft, wie taub... es braust, lärmt, schrillt... Einen Augenblick höre ich Stimmen, ganze Worte, dann hämmern Mörser ... und meine Kehle ist voll Bitterkeit... Wieder eine Stimme .. . Ich habe es gesagt, Kalbu! Und in meinem Kopf tausendmal: Kalbu! Kalbu! Kalbu!... Endlich weiß ich, was das heißt. Kalbu ist ein kleiner Knabe. Kalbu ist mein Knabe. Ich habe Kinder. Das Gebraus läßt nach... oder habe ich mich nur daran gewöhnt? Nein! Jetzt vernahm ich wieder Stimmen . . . Onkel Iljitschka ... Das habe ich oft gehört. Oder war es nur einmal und gibt mein Trommelfell das Wort tausendfach zurück, wie das Wasser den Stein? Zuletzt weiß ich auch schon, wer dieser Iljitschka ist.. . mein Bruder... er half mir beim Bau, als wir das Zelt aufgaben... doch warum leben wir noch immer im Zelt? Fragen wirbeln in mir... Ah, das heißt schon denken . .. bis jetzt hatte ich keine Gedanken ...? Etwas ist also mit mir geschehen. Aber ich weiß nicht was. Plötzlich blitzt eine Vision in mir auf, Gespenster in weißen Tüchern reiten durch die Nacht und klingendes Lachen tönt in meine Ohren... und dann höre ich wieder ein Gebraus ... Weinen und Summen.. . Nachmen summt, dann alle summen, ein wilder wirbelnder Tanz. Ein fernes Gebrüll... Zeltchen windet sich im Stall... es windet sich vor Schmerzen! Ich weiß schon. Zeltchen bekommt Junge . .. das „Ziegeneuter" überschwemmte den Stall. Jemand spricht zu mir: Wir haben das Kalb, Jischaj. Es lebt und, nicht wahr, Großväterchen, es ist schön? Das Kalb! Das Kalb! Die flüsternde Stimme sagt es so weich, als wäre es eine Mutterstimme. Sie preßt es an die Brust. Zum erstenmal habe ich es an die Brust gepreßt... es zitterte, es war warm. . . die zitternde Wärme lief durch meinen Körper.. . mich fröstelte, als ich es in die Krippe legte... Es lebt. Gott sei Dank, es lebt.