Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Der Traumsiedler
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 452 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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452 MENORAH Wer sagte doch eben: Was fehlt dir, Beracha? Die Frage flattert über mir, die Stimme ist hohl und unbekannt. Zwei sind heben mir, zwei Stimmen, wem aber gehört die dritte? Wer sagt hier: Was fehlt dir, Beracha? Flüsternd antwortet die Stimme: „Mir fehlt nichts, Jischaj." Die Flüsternde ist freilich sie, Beracha. Aber die dritte, die hohle ... wer ist sie? Du bist eine gute Seele, Beracha. Schon wieder. Wer hat das gesagt? Ich reiße meine Augen auf. Dunst und feuchte Nebel... hier sitzen sie, hier. „Was sollte mir denn fehlen, Jischaj? Nichts. Schwer ist hier das Leben. So gut ist dieser Iljitschka. Er hat eine Arznei gebracht.. . bitter, aber gut ,.. Du wirst genesen. Nicht wahr, Großväterchen. .." Da zerreißen die feuchten Schleier. Beracha ist rot, flammenrot. als käme sie vom glühenden Herd... In ihren Augenwinkeln feuchte Perlen. Großväterchen nickt. So blaß ist er jetzt, wie die entseelte Erde. Mir greift seine Totenblässe ans Herz. Beracha legt mir die Hand auf die Stirn. Das kühlt. „Es geht dir schon besser." Ich frage, ob es mir übel war. Sollte ich krank gewesen sein? Beracha spricht: „Ich habe mich sehr gefürchtet. Viel habe ich hier auf dem Dach gelitten. Hätte ich Großväterchen und Melech nicht bei mir, so wären wir nicht mehr da." Hier auf dem Dach! Ich weiß schon. Unten ist überall Wasser. Nicht nur im Stall. In der Frühe habe ich alles gesehen... war das heute früh? ... in der Nacht habe ich merkwürdig schwere Träume gehabt... das war der Anfang. Der Anfang von der Überschwemmung und von der Krankheit. Ich sah noch Zeltchen, ich half noch bei der Leiter .. . Die Kinder kamen auf das Dach ... Ich auch? Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Der schmutzige graue Schwall leckte die dritte Sprosse der Leiter.. . und das schmutzige Grau wurde auf einmal dunkel. Stürzte ich ins Wasser?... Die Frau spricht und ich versuche, sie zu verstehen: „Unsere Brüder sind so gut. Sie kommen. Nachmen und Basje . .. sie bringen uns Wasser... Die Flut hat auch den Brunnen verschlungen. Sie sind fast ganz verschont... dort ist schon alles trocken. Jetzt ist die Flut nur hier und auf Isas und Dinjuschkas Siedlung . .. sie leben wie wir auf dem Dach ... sonst niemand mehr ..." Großväterchen sagt: „Jetzt geht das Wasser schon zurück. Die Leute sind dort bei der Schleuse. Morgen können wir hinunter."