Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Bathseba
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 447 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912861-2917990--03582-2918087- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Joab 1× ep/1005321
OCR text
BATHSEBA 447 dann wäre alles gut: doch so... Auch kommt Urias noch heut nacht zurück. Er soll sein stilles Glück so finden, wie's war. Das glaubt er jedenfalls. Doch, Joab, achte mir, daß Nathan, der Prophet, von allem nichts erfährt. .. fJoab ab.) (Vornan g.) Dritter Akt (König David allein. Nacht.) David: Joab, bist du es? ... Nein, niemand noch. Soll ich allein sein, bis der Morgen graut? Will diese Nacht denn nimmer enden?! Ich betete zu meinem Gott und hoffte, daß der Schlaf dann kommen würde. Doch werd' ich jemals wieder schlafen können? Ich wollte beten und mein Denken fing mich ein . . . Was gut getan bei Tag, wird unheilschwer, sobald es nachts dem geistigen Auge wiederkehrt. Man muß gleich schlummern nach vollbrachter Tat, doch tun und nachts sich des erinnern: das ist, als ob ein Blinder das Antlitz eines lieben Toten kost, um seine Züge wiederzuerkennen. , . Wie furchtbar ist die Nacht, darin nicht Schlaf, nicht Liebe wohnt.. . (Pause.) Ich war allein gelassen und wollte Schlummer finden. Schon schliefen Himmel, Erde, meine Seele auch war am Entschlummern ... Da stand auf einmal der Chetiter hier, die Lampe schien auf ihn, sonst hätte ich ihn nicht erkannt, so trat er aus der Finsternis zu mir. Wie kam er durchs verschloßne Tor? Er sprach kein Wort, tat nicht den Mantel ab.. . „Urias," sprach ich, ,,bist du es? Was kommst du jetzt? Ist Rabba unser schon? Doch nein, das hätt' ich schon gewußt. . . Leg' doch den Mantel fort, mein Freund. Ich seh' nicht deinen Blick. Was schweigst du so? Wer sandte dich zu mir? Und was ist dein Begehr zu dieser Zeit? Geh zu Bathseba doch; sie wartet dein. So geh doch, geh jetzt heim . .. Ich will nun schlafen." Was geht er nicht? Was steht er ohne Wort? Will er Geschenke? Niemals nahm er sie. Ich bot ihm süßen Wein. Er blieb und blieb. Zuweilen schien im Schatten fast Urias zu zerfließen. .. Die Lampe flackert unruhig hin und her. (Pause.) War der Chetiter fort, als Nathan kam? Ich hab' die ganze Nacht ja nicht geschlafen. Wie fürchterlich war der Prophet! Was soll der Mensch denn tun, wenn hinter dem Begehren sein Gott verhören ist?! (Pause.)