Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Anteil der Juden an den geographischen Entdeckungen
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 435 (sequence 9)
- Language
- German
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ANTEIL DER JUDEN AN GEOGR. ENTDECKUNGEN 435 hatte er mit den Beduinen auszufechten, aber nach Hunderten zählten die Inschriftenkopien und Abklatsche, die er heimbrachte. Mehr als einmal holten die Türken, wenn ihnen ihr Schmerzenskind Jemen wieder Sorge machte, Glasers Rat ein. Noch im Jahre 1907, als er, einer Einladung des Ottomanischen Museums folgend, einige Wochen in Konstantinopel weilte, um neue sabäische Erwerbungen zu katalogisieren, benützte die türkische Regierung diese Gelegenheit, um sich von Glaser beraten zu lassen. Glaser war es, der die erste Anregung zum Bau der großen Hedschasbahn nach Mekka gegeben hat. Aber auch Österreich-Ungarn und Deutschland leistete er wichtige Dienste. Professor Hommel in München sagte von ihm: „Oh, der Glaser ist ein Ehrenmann. Mit ein klein wenig Taufwasser könnte er doch seine Position verbessern, daß er über seine Gegner lachen könnte, aber er tut's nicht/' So leidenschaftlich er Zeitungen und Zeitschriften las, verzichtete er doch lieber auf die Benützung des Lesezimmers einer angesehenen Gesellschaft, von der er wußte, daß sie Juden nicht gerne aufnehme. Bei einer Fahrt durch den Suezkanal bemerkte einer der Mitreisenden: „Hier ist wohl die Stelle, wo die Ägypter unter Pharao ertrunken sind. Schade, daß es nicht anders gekommen ist.*' Glaser wies sofort auf die in der Ferne sichtbaren Höhen des Sinai hin und erwiderte: „Dann wäre aber auch nicht geschehen, was sich dort begeben hat." „Da haben Sie recht", entgegnete der andere verlegen, der jetzt erst merkte, daß er es in Glaser mit einem Juden zu tun habe. In den Neunzigerjahren entwarf Glaser einen Plan, den jüdischen Volksmassen eine Heimstätte in Südarabien zu gründen. Dieses ideale Forscherleben fand ein frühzeitiges Ende. Am 7. Mai 1908 starb Glaser in München im Alter von 53 Jahren. Seine arabischen Handschriften und Altertümer wurden zum Teil von der deutschen Regierung, zum Teil von dem bekannten Verleger Rudolf Mosse für die Berliner Sammlungen angekauft. Das Geld für seine Reisen brachten größtenteils seine Brüder, einfache Kaufleute in Saaz, auf. Seine Schwägerinnen verkauften dafür ihren Schmuck. Die braven Frauen verdienten ein Ehrenblatt in der Geschichte der Wissenschaft. Die Erforschung des Jemen reizte auch den Eifer eines anderen früh verstorbenen jüdischen Gelehrten, Hermann Burchardt aus Berlin. Er war einer jener seltenen Männer, die der Wissenschaft dienen, ohne irgendwelchen Anspruch zu erheben, genannt und gefeiert zu werden. Eduard Sachau, der bekannte Berliner Semitologe, mahnte ihn häufig mündlich und schriftlich, er möge doch seine Notizen bearbeiten und sie der Gelehrtenwelt übermitteln, er möge ein großes