Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Anteil der Juden an den geographischen Entdeckungen
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 428 (sequence 2)
- Language
- German
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428 M E N O R A II tung der Juden im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts. Über Nordfrankreich und Deutschland berichtet er wohl nur nach Mitteilungen anderer. Vom slawischen Osten hatte er nicht mehr, als eine dunkle Kunde. Von Saragossa aufbrechend, gelangte Benjamin den Ebro entlang nach Tortosa, von dort an der Küste nordwärts nach Narbonne, von da weiter nach Beziers, Montpellier, Lunel, Arles bis nach Marseille. Von Marseille fuhr er nach Genua, von da kam er über Toskana nach Rom. Dort fand er etwa 200 Juden vor, deren Lage er als günstig darstellt. Einige standen im Dienste des Papstes. Einer von ihnen ging, als Verwalter des päpstlichen Haushaltes, im Palast des Papstes ein und aus. Von Rom reist Benjamin nach Capua, weiter nach Neapel, von da nach verschiedenen Orten Apuliens und Kalabriens. Fast überall fand er Gemeinden von einigen hundert Juden, darunter viele, die das Färberhandwerk betrieben. Von Italien setzte er nach Korfu über, von Korfu nach Arta. Der Vorsteher der dortigen Judengemeinde führte den für uns etwas auffallenden Namen ,,Rabbi Herkules'4. Benjamin besuchte die jüdischen Gemeinden in Korinth, in Theben, wo nicht weniger als 2000 Juden wohnten, die als die tüchtigsten Färber im ganzen byzantinischen Reiche bekannt waren, ferner Saloniki und Konstantinopel, oder richtiger Pera, da die Juden in der Stadt Konstantins selbst damals nicht wohnen durften. Von dort begab er sich nach Cypern, von hier nach der cilicischen Küste, alsdann südwärts nach Jerusalem, In Jerusalem wohnten 200 Juden, die so wie die Juden in Süditalien und in Sizilien, das Benjamin auf der Rückreise besuchte, die Färberei betrieben. Der andere erwähnte Reisende Petachja, der nach Benjamin Jerusalem besuchte, traf daselbst nicht mehr eine jüdische Gemeinde, sondern nur einen einzelnen Juden an. Wahrscheinlich hatte der Fanatismus der christlichen Pilger und die hohen Abgaben die Juden verscheucht. In Antiochia und Tyrus betrieben die Juden das Glaserhandwerk und ihre Fabrikate genossen überall den besten Ruf. Bekanntlich stammt die berühmte venezianische Glasindustrie aus Tyrus und der Einfluß jener jüdischen Glasfabrikanten ist hiebei sicherlich mit wirksam gewesen. Wird doch auch das Fensterglas auf jüdischen Ursprung zurückgeführt. Die größte Judengemeinde traf Benjamin in Bagdad an, 40.000 Juden mit 28 Synagogen. Ihr Oberhaupt, der Exilarch, galt als die oberste jüdische Behörde für die Juden in dem ganzen gewaltigen Gebiete des Kalifates. Auch von den Juden Persiens und Abessiniens berichtet Benjamin. Etwa 1171 kehrte er nach Spanien zurück.