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Menorah · 1926-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1926) · p. Seite 411

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1926)
Article
Der Traumsiedler
Date
1926-06-01
Page
Seite 411 (sequence 3)
Language
German
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TEL-CHALOM, NACHT DER GESICHTE 411 „Ich möchte reiten.'" „Du fällst herunter."' „Abdullah ist doch auch nicht größer als ich und fällt doch nicht herunter.'' „Abdullah?"' „Ja. Onkel Dschafars Sohn. Auch heute ritten sie dort nach dem ,Ziegeneuter'." Der schwatzende Kalbu erheitert mich ein wenig, doch nicht ganz. In der Nacht linde ich keinen Schlaf. Der milchweiße Schimmer des Mondes fällt durch mein Fenster, ich starre hin, kann meine Augen nicht schließen. Mein Kopf schmerzt, ich habe Sorgen, bin verdrossen. Beracha ahnt, daß ich nicht schlafe; sie atmet regelmäßig, aber sie will nicht sprechen, wie sie sonst gewohnt ist, wenn wir streiten. Solche Nachtgespräche sind versöhnend und beruhigend. Jetzt kümmert es mich indes gar nicht. Ich will mich weder versöhnen noch beruhigen. Ich muß ihr beweisen, daß ich im Recht bin. Ich muß sie immer besiegen. Man braucht Zeit, bis der Reis reift, Zeit und Ausdauer. Ich habe beides und — er wird gedeihen. Ich habe noch eine Idee. Man müßte das Feld hei Nacht begießen. Ich habe schon öfters die Erfahrung gemacht, daß das Begießen bei Tag mehr schadet als nützt. Ich fange gleich heute nacht an . . . Aber ich traue mich nicht aufzustehen. Beracha wird fragen, wohin ich gehe . .. das wird eine Debatte zur Folge haben und ich will keine Debatte. Sie nützt der Arbeit nicht. Morgen nachts fange ich es an. Unter irgend einem Vorwand werde ich draußen übernachten . . . vielleicht sage ich, daß die Araber um die „Ziegeneuter" herumlungern und wir Männer abwechselnd die Schleuse bewachen. Beracha wird schmollen, daß ich nicht einmal die Nächte mehr daheim verbringe, aber ich werde es ihr auseinandersetzen. „Schau, Liebste, die Schleuse . . ." In der ersten und der zweiten Nacht so, dann in der Frühe, wenn ich sehe, daß der Gedanke richtig war, bekenne ich Beracha die Wahrheit. Sie wird lachen und wir werden uns wieder verstehen. Es ist unbegreiflich, daß mir dieser Verdacht in den Kopf stieg und ich ihn nicht mehr losbekommen kann. Meine Idee beruhigt mich nicht und die Schleuse macht mir Sorgen. Nicht zum erstenmal, aber jetzt inmitten des Schweigens erfaßt mich mit beklemmender Gewißheit der Gedanke: vielleicht doch. Abends, als ich es von Kalbu hörte, ist es mir nicht eingefallen, jetzt aber zuckt es jählings durch mein Hirn. Ihn al Farid war mit seinem Sohn Abdullah beim „Ziegeneuter"? Was haben sie dort gemacht? Wollen sie etwas erspähen? Was? Will man die Schleuse verrammeln? Mit Erde verstopfen? Das wäre eine große Arbeit. Sie überschütten sie mit dem Hügel . .. Verbrennen die Wassersperre . . . Man müßte doch hinaus, man müßte nachschauen, wer draußen ist. Nur vor das Haus! Wenn ich mein Auge anstrenge, werde ich sehen können, was im Tal vorgeht. ,,Jischaj, warum schläfst du nicht?'* sagt Beracha schläfrig.

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