Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Palästina
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 401 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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PALÄSTINA / JÜDISCHE ERNEUERUNG 401 Jahren großartige Arbeit geleistet worden, eine Arbeit, welche die volle Anerkennung der vom Völkerbund ins Land entsandte Hygienekommission gefunden hat. Die Sümpfe wurden trockengelegt und der Erfolg zeigte sich in kürzester Zeit. Nur einige Zahlen: In Ain-Charod sank der monatliche Durchschnittsprozentsatz der Malariafälle von 1922 bis 1924 von 11-7 Prozent auf 3-2 Prozent, in Nahalal von 92 auf 0, in Beth-Alpha gar von 35*5 auf 5*3. In die Arbeit für das Gesundheitswesen der Bevölkerung teilen sich Kupath-Gholim (Arbeiterkrankenkasse) und Hadassah, jene segensreiche Organisation jüdischer Frauen in Amerika, die in eifriger Sammeltätigkeit die Mittel für die medizinische Versorgung in Palästina aufbringt. Die Arbeiterkrankenkasse hat sich in den wenigen Jahren ihres Bestehens — 1913 wurde sie mit 300 Mitgliedern gegründet — zu einem starken organisatorischen Bau entwickelt. 14.000 Arbeiter mit 30.000 Familienmitgliedern haben durch sie die Sicherheit, als Opfer der Arbeit nicht auf Wohltätigkeit angewiesen zu sein. Zahlreiche Ärzte — Kameraden der Arbeiter — dienen der Gesundheitspflege. Das erste Sanatorium für die durch Malaria oder Typhus geschwächten Arbeiter wurde von der Krankenkasse gebaut. Die Fladassah hat in den letzten sechs Jahren 15,000.000 Goldmark für die Gesundheitspflege in Palästina verwandt. Krankenhäuser mit 328 Betten unterstehen ihrer Obhut. Uber 500.000 Behandlungen wurden im letzten Jahre in ihren zahlreichen Polikliniken vorgenommen. Über 20.000 Schulkinder unterstehen der Aufsicht und Pflege der schulhygienischen Abteilung. Eine eigene Schwesternschule bildet das notwendige Schwesternmaterial heran. Segensreich ist die Tätigkeit der Hadassah in der Säuglingspflege, die zu einem starken Sinken der Säuglingssterblichkeit geführt hat. Dieses Sinken der Säuglingssterblichkeit — verbunden mit hoher Geburtenhäufigkeit — führt zu einem großen Geburtenüberschuß, der im Jahre 1923 pro Tausend der Bevölkerung fast dreimal so groß war, als zum Beispiel der in Deutschland. Vergleicht man diese Zahlen mit einigen, die den ungeheuren Rückgang der deutschen Juden etwa beleuchten, so zeigt sich der rassenhygienisch günstige Einfluß der Besiedlung Palästinas. Im Jahre 1875 entfielen auf vier Großeltern sechs Kinder und 36 Enkel, 1900 nur drei Kinder mit neun Enkeln und 1925 zwei Kinder mit einem Enkel. So würde in der Enkelgeneration, ohne Zufluß von außen, die Zahl der deutschen Juden von 600.000 auf 150.000 zusammenschmelzen. In Palästina ist das nicht zu befürchten. Hier weiß man, was man der Zukunft des Volkes schuldig ist. Weiß dies in den Siedlungen, wro die Erwachsenen sich mit der primitivsten Lebenshaltung begnügen, während den Kindern nichts fehlt, weder Speise, noch Kleidung, noch Spielgerät, weiß dies vor allem in den Kreisen, die für die Erziehung verantwortlich sind. Welch bewundernswerte Leistung die Neubelebung der hebräischen Sprache und die in wenigen Jahren vollzogene Hebräisierung Palästinas ist, wird erst eine Nachwelt recht würdigen können. Aber noch ist die hebräische Sprache nicht in dem Sinne der Landessprache anderer Völker eine selbstverständliche