Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Leibesübungen bei den Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 392 (sequence 15)
- Language
- German
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392 MENORAH Personen möglich. Es hat sich daher, von dieser inhaltlichen Wandlung abgesehen, die Makkabi-Bewegung in der ganzen Welt unbemerkt zu einer fast reinen Jugendbewegung entwickelt, was sie früher nicht war. Bei einer Jugendbewegung hinwieder versagt jederlei einseitige Einstellung, die alleinige Betonung der körperlichen Ausbildung kann den Idealismus der außenstehenden Jugend nicht wecken, ja sie kann, wie man es in Deutschland gesehen hat, nicht einmal die eigene Jugend begeistern und fest an sich schmieden. Über die Organisation ist folgendes zu sagen: Der Makkabi-Weltverband setzt sich aus 26 Kreisen mit insgesamt 394 Vereinen und über 120.000 Mitgliedern zusammen. Der derzeitige Sitz des Präsidiums ist Wien. Oberste Instanz der alle zwei Jahre stattfindende Makkabi-Tag. Die Aufgabe des Verbandes ist nicht nur die körperliche Ertüchtigung, sondern auch die geistige Schulung und Erziehung zum gesunden, aufrecht denkenden jüdischen Menschen. Zu diesem Zwecke sorgt er für die Ausbildung von Turn- und Sportlehrern, für die Einrichtung von Turn- und Sportplätzen, für die Verbreitung und Vermittlung von Literatur und jüdischem Wissen, für die Vereinheitlichung des Systems der körperlichen Erziehung, für den engen Konnex aller Makkabi- Brüder. Er gibt ein Organ „Hamakkabi" in drei Sprachen (Hebräisch, Deutsch, Jiddisch) heraus, veranstaltet von Zeit zu Zeit größere Sportfeste in den verschiedenen Ländern und hebt dadurch das Einheitsgefühl. Als einheitliches Makkabi-Abzeichen dient ein Schild, darin das Abzeichen der alten Makkabäer, die Lilie mit dem ,,Magen Davids" und den Schofroth als Zeichen der Wiedererweckung. Alle Mitglieder besitzen eine Einheitsmitgliedskarte. Für einen bestehenden Palästinafonds führt jedes Mitglied monatlich durch Einklebung einer Marke fünf Pfennig an den Verband ab. Der Gedanke der Leibesübungen bei den Juden gewinnt allerorts von Tag zu Tag an Ausdehnung. Wir brauchen heute nicht mehr auf kümmerliche historische Reste, auf Einzelgrößen im jüdischen Sport zurückweisen, diese existieren nach wie vor, gehen uns aber nichts an; dem Makkabi-Weltverband gehören heute Vereine an, die in der Welt bekannt sind und einen Ruf haben. Nur spärlich seien hervorgehoben: Hakoah-Wien, Vivo es athletic Club-Budapest, Haggibor-Prag, Makkabi-Lemberg, -Czernowitz, -Warschau, -Lodz, -Kowno, Bar- Kochba-Berlin u. a. m. Hervorragend sind die Leistungen der Hakoah- Wien, welche mehrfacher Meister von Österreich im Fußball, Schwimmen und Hockey ist. Die letzte Olympiade sah drei jüdische Olympioniken, darunter den besten 100 Meter-Läufer der Welt, Abrahams, welcher jetzt dem Vorstande des englischen Kreises des Makkabi-Weltverbandes angehört. Aber nicht auf sie, die einzelnen, wollen wir verweisen, sondern auf die Ausbildung des gesamten Volkskörpers. Es ist also die freudige Tatsache zu konstatieren, daß der Sinn für die physische Gesundheit, für die Erhaltung und Erhöhung der Widerstandskraft des Organismus in den letzten Jahren sehr rege geworden ist. Kaum noch ein Ort mit jüdischer Bevölkerung auf der Erde, wo nicht ein beträchtlicher Prozentsatz der jüdischen Jugend Gymnastik