Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Leibesübungen bei den Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 391 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912860-2917743--03449-2917899- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LEIBESÜBUNGEN BEI DEN JUDEN Zukunft unserer jungen jüdischen Generation ollenbar." Unter diesem Eindruck wurde nach einem Referat von Dr. Ernst Tuch in Basel die ,,Jüdische Turnerschaft", der Verband, der heute die Führerschaft in der gesamten Turn- und Sportbewegung bei den Juden innehat und späterhin „Makkabi-Weltverband" genannt wurde, gegründet. M Moritz Hertmann in „Ost und West" I. 21,°.—222. -) vgl. Tsr. Abrahamsolln in „Ost und West" I, 825—28. „Jüdische Kavallerie". 3) W. Joost AVeltfahrten, Bln. 18(J5. 4) „Schild" 102»;, Xr.s.5) in „Ost uud West", T, 855. ,;) in „Ost und West«, 1 11,758. F. M a k k a b i - W e l l v e r b a n d So jung dieser Verband an und für sich ist, so weist er doch schon drei prinzipielle Phasen in seiner geschichtlichen Entwicklung auf. Die erste, die rass e h y g i e n i s c h e, sah allein in der Behebung der dem jüdischen Volk anhaftenden körperlichen Mängel, in der physischen Regeneration der Juden ihre Hauptaufgabe, welche damals schon als ein Teilproblem der allgemeinen Renaissance des jüdischen Volkes erkannt wurde und als wichtige nationale Tat gebucht werden muß. Sonst aber hatte sie mit dem Zionismus und Nationaljudentum nichts gemein. „Die Pflege national jüdischer Gesinnung'' war nur ein Ornament für sie; man tat sich auf sein „Muskeljudentum" etwas zugute. Die zweite Epoche zeichnete sich aus durch das Moment des Wettkampfes mit den anderen und der Erreichung von Höchstleistungen; man wollte den anderen zeigen, daß auch wir Juden in den Wettkämpfen physischer Natur nicht zurückstehen. Als später aber der Zionsgedanke immer konkreter wurde, hieß es: Der Aufbau des jüdischen Volkes und Landes braucht eine starke Generation, sie muß man erziehen. Damit richtete sich der Sinn immer intensiver nach Erez Jisrael, wohin man jährlich Turnfahrten organisierte. Diese Epoche wurde durch den Weltkrieg unterbrochen. Die darauffolgende Revolution brachte auch eine Revolution in der jüdischen TLirnerschaft. Ausgehend vom deutschen Kreise der jüdischen Turnerschaft, wo im Jahre 1919 Dr. Ernst Simon (Frankfurt am Main) auf der Tagung in München ein grundsätzlich neues Erziehungsprogramm entwickelte. Ähnlich sah das Programm des ersten Hauptturnlages nach dem Kriege in Karlsbad 1921 aus. Dessen Vorkämpfer waren damals Dr. Tuch, Heinrich Kuhn, Julius Hirsch und Süßmann Muntner. Der Inhalt des Pro- Crammes, das der folgenden dritten Phase die Richtung gab, war die Erziehun g d e r G e s a m t p e r s ö n 1 i c h k e i t, welche in Körper- und Charakterbildung besteht. Bestandteile der letzteren wiederum sind die Geistesbildung, die ethische Erziehung und die Willensbildung. Man weiß nämlich, daß auf allen Gebieten die tiefste und stärkste Wirkung bei den Menschen erzielt werden kann, wenn man an die Geistesbildung die Erziehung zum sittlichen Empfinden und zur Willensstärke heranträgt, welch letztere durch das Turnen besonders geschult wird. Die geistige Schulung und die sittliche Lebcnsansch.auung wurden den Mitgliedern von berufenen Führern auf Heimabenden, Fahrten und Wanderungen durch gemeinsames Lehen, Erleben und Fühlen beigebracht. Dies alles ist natürlich nur bei jugendlichen