Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Leibesübungen bei den Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 390 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912860-2917743--03448-2917898- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
390 MENORAH Abraham Belasco4) und eine stattliche Anzahl hervorragender jüdischer Turner in der „deutschen Turnerschaft" bis zum Jahre 1895 gegeben hat. Alle diese waren aber nur Einzelerscheinungen und Ausnahmen, welche nur bewiesen, daß die körperliche Anlage des früher urwüchsigen jüdischen Volkes für einen gesunden Menschenschlag noch nicht ganz erloschen ist, daß sie nur der Entfachung, des auslösenden Momentes bedürfe, um aus dem körperlich degenerierten Judentum wieder ein aufrechtes und gesundes Menschengeschlecht wie ehedem zu machen. Und diese Entfaclumg kam in allerneuester Zeit. Es ist eine beobachtete Tatsache, daß die wahre Gymnastik, die in den Menschen neues Leben und frischen Geist hineinträgt, die Liebe zur Gemeinschaft, die Liebe zum Vaterlande weckt. Umgekehrt fiel der Sinn für den Wert der Gymnastik stets mit dem Sinn für die nationale Freiheit eines Volkes. So war es in Sparta und Athen, so war es in Preußen vor hundert Jahren, so ist es in Deutschland jetzt, so ist es auch bei den Juden gewesen. Die Entstehung des jüdischen Turn- und Sportgedankens fiel zusammen mit der Geburt der nationaljüdischen und zionistischen Bewegung. So waren die Führer der zionistischen Bewegung gleichzeitig die Urheber der jüdischen Turnerschaft. Voran die Namen Max Nordau und Professor Mandelstamm. Bereits der erste Zionistenkongreß gab den Anstoß zur Gründung jüdischer Turnvereine. Nur zwei jüdische Turnvereine gab es schon vor dem ersten Kongreß 1897 in Basel, das waren die Vereine in Konstantinopel und in Budapest. A\nlaß zur Gründung eigener Vereine, das sei nicht verschwiegen, gab auch der immer wachsende Antisemitismus. ,,Seit Jahrzehnten", schreibt Jalowicz5), ,,turnen Juden in der deutschen Turnerschaft und mancher Preis ward von ihnen errungen." Bis der Antisemitismus immer lauter wurde und auf dem Kreisturntage des XV. Kreises in Wien (1901) mit erdrückender Majorität — 120 gegen 15 — der Ausschluß der Juden proklamiert wurde. — Ähnliches geht in unseren Tagen in den deutschen Turn- und Sportverbänden, im Österreichischen Alpenverein u. a. vor. — In ganz kurzer Zeit brachten es die jüdischen Vereine zu ersprießlichen Leistungen. 1901 auf dem dritten Kongreß bestanden bereits 44 große Vereine, davon allein 15 Sportvereine in London, die übrigen in Berlin, Halberstadt, Frankfurt am Main, Wien 2, Bielitz, Olmütz, Privoz, Mähr.-Ostrau, Philippopel, Bukarest, Bern, Konstantinopel und die eben gegründeten in Hannover, Posen, Brünn, Ungar.-Hradisch, Krakau, Lemberg. Vor dem vierten Kongreß in Basel 1903 haben Vertreter aus neun verschiedenen Ländern bereits prächtige turnerische Leistungen dargeboten. „Es war ein historischer Moment," schreibt Zirker0), ,,als mitten in den ungeheuren Aufregungen des Kongresses eine mehrstündige Unterbrechung der Verhandlungen wegen der Darbietungen der jüdischen Turner erfolgte. Unter dem Eindruck kraftvoller Jünglingsgestalten, denen alle Vorzüge des Körperlichen, Reinheit, Geradheit, Mut und ruhiges Selbstvertrauen auf die Stirne geschrieben waren, wurde wieder die alte, unserem Stamme eigentümliche Hofl'nimgsfreudigkeit, ein begründetes Vertrauen in die