Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Leibesübungen bei den Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 389 (sequence 12)
- Language
- German
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LEIBESÜBUNGEN BEI DEN JUDEN 389 bis abends acht Uhr, ohne jede Körperbewegung, den Züchtigungen eines meist selbst wenig gebildeten Schulmeisters, des „Rebben", ausgesetzt waren. Hier wurde das jugendliche Hirn mit allerlei Wissen, zu welchem es seinem Alter nach noch gar nicht reif war, überbürdet. Nie war den Kindern kindlich wohl zumute. An dem einzigen freien Tage in der Woche, dem Sabbat, durfte man nicht spielen, und ging man auf die Straße, so war man dem Hohn und den Sleinwürfen der feindseligen Straßenjugend ausgesetzt, Ort und Zeit zu einem friedlichen Spiel war den Juden nicht vergönnt. Im Hause sah die Jugend ernste, sorgenvolle Gesichter der um das tägliche Brot bekümmerten und unter schwerem politischen und moralischen Druck lebenden Eltern. Da ihnen zu verschiedenen Zeiten auch das Handwerk versagt war, ergriff der das 13. Lebensjahr vollendete Jüngling meist den Beruf eines Hausierers mit all seinen ,,Annehmlichkeiten". Es begann für ihn ein Herumtasten in der fremden, ihn nicht begreifenden Welt und Not und Elend. Unter solchen Umständen konnte sich kein Körper, und hätte er auch die gesündesten Anlagen, frei entwickeln, kein gesunder Geist und frischer Mut. Auch später, zur Zeit und in den Ländern der Emanzipation, tat der Jude wenig für seine wahre Gesundung. Viel Geld wandte er an für Ärzte, Medikamente, Kurorte u. dgl. Die billigsten Medikamente, die ihm nunmehr zur Verfügung standen, nämlich Licht und Luft und Sonne und Bewegungsfreiheit!, wurden übersehen. Dazu kam das Kleben an ihrem alten, geduldeten Berufe, dem Handel, die Überhandnähme der akademischen Berufe als Reaktion auf das lange Ausgesperrtsein von Welt und modernem Wissen, dazu kam ferner der Zustrom in die Städte, wo es mehr Bequemlichkeiten gab usw. Hier lernte man das Leben der Dekadenz kennen. Man wollte zu gern zu den ,,Intellektuellen", zu den „geistigen" Menschen gehören. Jenen „Intellektuellen" aber waren Leibesübungen Dinge, die unter ihrer Würde standen. Bleiche Gesichter und kraftlose Gestalten waren Typen des „Feingebildeten", sie waren interessant. In der Frauenwelt war es nicht viel anders. Ihre klägliche und falsche Eitelkeit erstreckte sich nur auf Gesicht und Kleidung, die sklavenmäßig den Vorschriften der wankelmütigen und widerspruchsvollen Mode gehorchte, welche ihre Gesetze den Lockmitteln der Pariser Halbwelt entnahm. Bepuderte Blässe, rückenschmerzende Haltung und Nervosität galten als interessant und vornehm. So traf der Jude die Großstadtwelt, in die er sich nach seiner Emanzipation hineinstürzte. Was WTunder, wenn er sie nachäffte, wenn sie ihm auch komisch stand! Immerhin soll nicht verschwiegen werden, daß es auch in dieser Zeit einzelne mächtige jüdische Kraftgestalten — ähnlich den in der letzten Zeit bekannten Kraftphänomenen der Familie Breitbart — daß es in Holland eine Kompagnie „jüdischer Kunstreiter" (Wullenwebers)1), daß es in Deutschland eine große Truppe hervorragender jüdischer Reiter und Athletengestalten2), daß es in Surinam seit Jahrhunderten bis in die Gegenwart ein eigenes „jüdisches Heerwesen"3), daß es in England vor hundert Jahren einen jüdischen Boxmeister