Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Leibesübungen bei den Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 388 (sequence 11)
- Language
- German
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388 MENORAH D. Renaissance Der Sinn für die körperliche Gesundheitspflege begann unter den Christen erst spät zu keimen. Die Renaissance und der Protestantismus hoben die spiritualistische Suggestion von dem mittelalterlichen Christentum langsam hinweg. Mit der Renaissance in Italien begannen auch die Leibesübungen wieder scheu und spärlich aufzublühen. Unter der Herrschaft Pauls IL, zirka 1460, wurden in Rom Volksfeste eingeführt, die an die antiken Wettspiele erinnern sollten. Mehr als zwei Jahrhunderte hindurch wurden diese Feste Jahr für Jahr gefeiert. Dieses Fest hatte unter den sonstigen Vergnügungen Wettrennen, und zwar am Montag für die Jugendlichen, am Dienstag für die Juden, am Mittwoch für ,,alte Herren" usw. Als Preise dienten kostbare Decken (pallia), welche die Juden liefern mußten. Die jüdischen Teilnehmer durften vigesimum suum aetatis, das 20. Lebensjahr nicht überschritten haben1). Die jüdischen Gemeinden schienen auch gerne Gelder für diese Veranstaltungen, an denen sie anfangs mit Freude teilnahmen, zu stiften, bis später Ausartungen den scheinbaren Spielen einen ernsten Anstrich gaben. Das Volk benützte die Gelegenheit, die halbnackten Juden mit allerlei Unrat zu bewerfen und machte sich ein Lustspiel daraus2). Zum erstenmal erschienen die Juden am 9. Februar 1466 auf diesem „Sportplatze", der sich an der Via lata in Rom entlang zog3). Später wurde die Strecke mit dem mehr als einen Kilometer langen Weg vom Arco di St Laurenzo in Lucina bis San Marco, noch später mit dem wirklichen Sportplatz der Piazza Navona vertauscht. Sehr oft gingen die Juden als Sieger hervor, so zum Beispiel am 18. Februar 1487, in einem doppelten Sieg, am 27. Dezember 1502, desgleichen am 22. Jänner 1505. Vom Jahre 1513 ist uns sogar ein ganzes Gedicht über den Lauf der Juden, über die einzelnen Teilnehmer und deren Preise erhalten4). Diese Spiele wurden bis zum Jahre 1668 veranstaltet; später versiegten auch sie. l) Burchardi diarium I, 240, vgl. hierzu und zum folgenden Vogelstein und Rieger a. a. O. 2) Reurnont III. 1. p. 465. 8) In diesem Jahre schreibt Michael Canesius in Muratori III. 2. S. 1012 über Papst Paul II.: „Romanis ludos ac praemia ludorum auxit, Utenim omnes. ex quibus Re publica Romana coalescere videbatur, ludos suos, praemiaque ludorum sortirentur, primum Hebraeis, tum adoleseentibus, dehinc adultoribus, postremo senibus pedestres ludos praemiaque ludorum addidit etc. *) J. J. de Pennis, Cronica della festa magnifiea, abgedruckt bei Ademoll o, II carnevale, Florenz 1891, S. 45. E. Neuzeit. Die Gassen der Ghetti wurden immer enger und beschränkter, die Gesichter immer bleicher, die Gestalten immer krüppelhafter. Schließlich fand sich der Jude in sein Schicksal, nahm es als etwas von Gott Gewolltes auf, glaubte sogar, daß es so sein müsse. Nicht genug, daß die Umwohner die Sonnenstrahlen den Juden mißgönnten, schlössen diese ihre Jugend selbst vom zartesten Kindesalter an (drei Jahre!) in das Cheder ein, wo sie in verpesteter Luft, von morgens acht Uhr