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Menorah · 1926-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1926) · p. Seite 385

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1926)
Article
Leibesübungen bei den Juden
Date
1926-06-01
Page
Seite 385 (sequence 8)
Language
German
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LEIBESÜBUNGEN BEI DEN JUDEN 385 mals schwelgende Heidentum. — Wo Juden mit diesen christlichen Wirtsvölkern zusammentrafen, mußten sie sich ihren Einrichtungen anpassen. Schließlich drang dieser vollkommen unjüdische Geist der Mönche — von wenigen Ländern ausgenommen — auch in die Reihen der Ghelti, welche er bis in die späteste Neuzeit hinein infizierte. Eine merkwürdige Umwandlung traf das jüdische Volk; die am meisten dazu angehalten waren, das Volk vor Assimilation zu schützen, die Schriftgelehrten, verfielen ihr unbemerkt selbst am stärksten. Aus ihnen entwickelte sich der klerikale Rabbinismus, späterhin auch der Ghassidismus, beides Assimilationserscheinungen und beabsichtigte oder unbeabsichtigte Nachahmungen der klerikal-despotischen Kirche einerseits und des mönchisch-mystischen Wesens im Mittelalter anderseits. Die oben wiedergegebenen Lebensregeln der Bibel und des Talmuds übersehend, predigten sie auch — mit wenigen Ausnahmen — gegen jede Art von Leibesübungen, die man als Narretei auffaßte. Zu diesen seltenen Ausnahmen gehörten vor allem die Juden Spaniens und einiger Mittelmeerinseln bis zum 14. Jahrhundert und späterhin noch die Juden der Provence. Aus dem 13. Jahrhundert ist uns ein Erlaß der jüdischen Gemeinde auf Kreta erhalten, aus dem hervorgeht, daß ein großer Teil der Juden, statt am Sabbat in die Synagoge zu gehen, auf Wanderfahrten und rudern geht2). Von den spanischen Juden wird berichtet, daß sie es nicht nur im Heeresdienst zu kühnen Taten gebracht haben, sondern3) auch in Zivil Fechtübungen betrieben. Die provencalisehen Juden haben sich nicht nur als geschickte Ruderer, Seefahrer und Weltumsegier4) hervorgetan, sondern waren auch tüchtige Sportsleute. Ihr Lieblingssport war die Falkenjagd5). Beliebt waren Kampfspiele zu Fuß und zu Pferde, die besonders anläßlich der jüdischen Hochzeit bei der Einholung der Braut zur Schau getragen wurden6). — Das Ballspiel in seinen verschiedensten Formen war bei den provencalischen Juden sehr verbreitet. Nach Tosafoth Bezah 12 a war dieses Spiel ihnen sogar an den Sabbat- und Feiertagen außerhalb der Andachtszeit erlaubt7). Aber schon Salomon Lurjah ist über dies ungehalten und erlaubt es nur noch den Kindern an Festtagen8). In Italien und Deutschland dagegen wird das Spiel mit LederundHolzbällen am Sabbat strikte abgelehnt9). Die Teilnahme an manchen Leibesübungen bedurfte erst besonderer rabbinischer Erlaubnis. So gestattet Israel Brun a10) den Juden, an den Wettrennen teilzunehmen und im ,,Zureiten der Pferde sich zu üben". Moses Menz wundert sich über einen enthusiastischen jüdischen Sportsmann, der ein gediegener Reiter war, während R. I s a a c aus Wien einen Juden, der an einem Jagdvergnügen teilnehmen wollte, schwer tadelte und ihm drohte, an den Festen der Frommen in der künftigen Welt keinen Teil zu haben11). Immerhin gab es auch hier Ausnahmen: Das Maaßebuch12) berichtet von R. Jehuda hachassid, daß er bis zu seinem 18. Lebensjahr mit der Armbrust umhergezogen sei und ein glänzender Schütze war. Im Jahre 1386 veranstalteten die Juden von Weißenfels ein eigenes Turnier13) und die Schöppenchronik

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