Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Leibesübungen bei den Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 381 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912860-2917743--03439-2917889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LEIBESÜBUNGEN BEI DEN JUDEN 381 nastik, Berufsathleten2), Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen stattfanden, verbot sich der Aufenthalt für jeden fühlenden Menschen von selbst3). — Als wenn heute die Menschen, welche den Besuch der Berufsboxerkämpfe, der Stierkämpfe und Pferderennen und der Auswüchse des modernen Sportes meiden, nicht gerade die größten Verehrer der wahren Leibesübungen sein dürften. — Man studiere nur die unzähligen Ausdrücke im Talmud, die sich auf die damaligen Leibesübungen erstrecken, um sich vom geraden Gegenteil zu überzeugen. Des Raummangels wegen mögen hier nur einige winzige Angaben folgen. Das Ideal des Juden dieser Zeit war der körperlich und geistig ebenmäßig durchgebildete Mensch. Eher als das Römerwort mens sana in corpore sano fiel, prägten die Juden das Motto4): 'by2 by mit? WDlPtt -♦♦fittip„Die Weisheit (die göttliche Allmacht) ruhet in wohlgestalteten Menschen." Ähnlich klingt der Ausspruch5): „Im gesunden, wohlgestalteten Körper offenbart sich Gottes Allmacht." Es war des Vaters vornehme Pflicht, seinen Sohn zu Kraft und Schönheit zu erziehen6). In das Sanhedrin und als Priester wurden nur gesunde und schöngestaltete Menschen zugelassen7). Der Judenfeind Tacitus8) kann nicht umhin zu schreiben: „Corpora hominum (Judaeorum) salubria et ferenda laborum", „Ihre Körper sind gesund und kräftig, den Strapazen gewachsen." Die Ghaldäer baten ihren König, die jüdischen Jünglinge, „welche an Schönheit die Sonne beschämten"9) umzubringen, weil sich bei deren Anblick Eros ihrer bemächtigte10). Wer gegessen hat, soll für Bewegung sorgen, lautet eine Vorschrift im Talmud11). Einen besonderen Wert legte man auf die gleichzeitige Reinhaltung des Körpers, daher die vielen Erwähnungen vom Baden und Schwimmen. Letzteres war ein obligates Erziehungsmittel des Vaters12). Eine Regel13) lautet: ,ö*r& 'bin h-S W freruv "Ppim K^a&l b*y\ tf<T „Wer gesund und von inneren Krankheiten verschont bleiben will, gewöhne sich im Winter ebenso wie im Sommer zu schwimmen." Man hatte eigene Übungsplätze, die man pDöp nannte14). Das Lehrhaus R. Elieser war eingerichtet wie ein Stadion15). Wie in der biblischen Zeit, gehörten auch jetzt der Tanz und die rhythmische Gymnastik zu den beliebtesten Leibesübungen. Man kannte allein 80 verschiedene Arten16). Viele talmudische Ausdrücke lür „Tanz" zeugen von seiner Beliebtheit: ,rtDö ,12ü ,töö ,Sin ,D1,1 ,afn nitP np") ,J?Enp ,]>Dp Daneben erfreute sich das Schleudern17) ybp allgemeiner Pflege. Hiezu gehört auch das Kunstschleudern und Äquilibrieren, das angesehene Gelehrte, wie R. Simon b. Gamliel, R. Levi b. Sisai, R. Samuel und R. Abbaje betrieben18). Auf sie hat wohl R. Simon b. Menasja den Ausspruch angewendet19) ttMnm Wiym nsm übtyb) nyixb n*« Ol „Die Schönheit, Kraft, Weisheit und der Reichtum geziemen den Gerechten." Auf sie mag auch das Wort passen20) : DWJfcO mi:u D^iyi ö^twS rrn „Die Weisen, sie gleichen an