Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Grundlagen jüdischer Wohlfahrtspflege
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 375 (sequence 10)
- Language
- German
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GRUNDLAGEN JÜDISCHER WOHLFAHRTSPFLEGE 375 wie schon Jesaia das verkündet hat25). Dieses Bewußtsein muß in der Behandlung des Armen zum Ausdruck kommen: Zartsinn ist geboten mit seinen Söhnen, aus deren Leben die Thora aufwachsen kann26), und er selbst, zerbrochenen Herzens, darf niemals laut angeredet oder gar gescholten werden: vielmehr ist es Pflicht, ihm stets mit freundlichem Gesicht zu begegnen und ihn zu trösten, ob man nun helfen könne oder nicht. V. Jede Wohltätigkeit bringt drei ernste Gefahren mit sich: sie kann den Armen an seinen Zustand gewöhnen, sie kann den Wohlhabenden über der Organisation die unmittelbare Liebestat des Hier und Jetzt vergessen lassen und sie kann die ganze menschliche Gesellschaft über den unbefriedigenden Zustand ihrer sozialen Schichtung und Güterverteiiung hinwegtäuschen und so den Fortschritt hindern oder wenigstens aufhalten. Die jüdische Gesetzgebung und Auffassung sucht allen drei Gefahren zu begegnen. 25) Jesaia 1, 27. sc) Nedarim 81 a. SABBATHSTUBE Aufgestellt im jüdischen Museum, Wien Zeichnung von Clara Epstein